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Dieser Käfig besteht aus Marmor

Der Dokumentarfilm «Golden Age» porträtiert eine Altersresidenz für Superreiche in Miami. Ganz schön skurril.

Es geht immer auch um Spass: Was machen Superreiche, wenn sie Alt sind?
Es geht immer auch um Spass: Was machen Superreiche, wenn sie Alt sind?

Ein alter Mann will König für einen Tag sein. Also wird er in eine rote Robe gesteckt und erhält Krone und Zepter. So ausgestattet, schreitet er weite Gänge ab und instruiert Angestellte und Einwohner, wie sie ihm zu huldigen haben. Das ist eine von vielen bizarren Szenen aus einer Altersresidenz für Super­reiche in Miami.

Das Gebäude gleicht einem Las-Vegas-Casino. Jeder Winkel ist bis ins Detail ausgeleuchtet, Fenster gibt es keine. So verlieren die Bewohner bald den Kontakt zum Draussen, genau wie zu Tag und Nacht. Zwischen Kronleuchtern, Marmor und Gold werden die Alten dauerunterhalten. Alles ist im Preis inbegriffen: Happy Hour, Halloweenparty, Singstunden. Hauptsache, niemand langweilt sich und will die Residenz verlassen oder sich gar draussen unter das gemeine Volk mischen.

In ihrem goldenen Käfig, auf den der Filmtitel anspielt, verlieren die Alten vollends den Kontakt zur Realität, falls diese Superreichen den jemals hatten. So erklärt ein begeisterter Trump-Anhänger, warum man unbedingt die Grenze zu Mexiko schliessen muss, während zugleich das ganze Servicepersonal im Haus aus Lateinamerikanern besteht, die ziemlich sicher zu schlechten Konditionen angestellt sind.

Wenn an einer Sitzung der Sohn des Inhabers dem Angestellten 100 Dollar verspricht, der die Regeln für perfekten Service auswendig herunterleiern kann, dreht es einem vollends den Magen um. Dass eine Angestellte das dann nur auf Spanisch machen kann, überrascht hingegen gar nicht. Schliesslich ist sie zum Putzen da – Englischkenntnisse würden sie nur dazu motivieren, sich über ihre Rechte zu informieren.

Den Einblick in diese abstruse Welt verschafft uns der Schweizer Dokumentarfilmer Beat Oswald. Die Idee zu «The Golden Age» kam ihm, als er 2001 in Florida studierte. Damals beeindruckte ihn die Unverkrampftheit, mit der die Amerikaner sich dem Thema Pensionierung nähern.

In den letzten fünf Jahren befasste er sich intensiv mit dieser wachsenden Serviceindustrie und wurde dabei auf The Palace, wie die porträtierte Residenz heisst, aufmerksam. Drei Monate lang mischten sich die Filmcrew unter das Personal und die Bewohner. Die Erlaubnis dafür gab ihnen die Besitzerfamilie ohne Bedenken – denn die wusste, dass die Anwesenheit der Crew für die Bewohner ein weiterer Unterhaltungsfaktor darstellen würde.

Arthouse Piccadilly Stadelhofen Do, Fr, Mo–Mi 16.15 Uhr, 18.10 Uhr; Sa 15.45 Uhr; So 17 Uhr, 18.10 Uhrwww.arthouse.ch

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