Dieser Maler hatte Schneid

«The Song of Mary Blane» porträtiert den Schweizer Frank Buchser. Er reiste 1866 in die USA – und malte sozialkritische Bilder.

«The Song of Mary Blane» porträtiert den Maler: Frank Buchser sympathisierte mit den Unterdrückten.

«The Song of Mary Blane» porträtiert den Maler: Frank Buchser sympathisierte mit den Unterdrückten.

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Im Jahr 1858 stand Frank Buchser vor den Toren von Fès, einer Stadt, die zu betreten damals für Christen verboten war. Verkleidet als Einheimischer, staunte der Schweizer Maler über die Ursprünglichkeit des marokkanischen Alltags, die er da antraf. Und regte sich auf über die Ungerechtigkeit der Sklaverei. Er sollte ihr später in Amerika wieder begegnen.

Buchser, geboren 1828 im solothurnischen Feldbrunnen, reiste 1866 in die USA, mit einem Auftrag des Bundesrats in der Tasche. Für das neu errichtete Bundeshaus sollte der Künstler ein Wandgemälde erstellen, das die Sieger des amerikanischen Bürgerkriegs zeigte. Aller­dings porträtierte er nicht nur Generäle und Politiker, sondern auch Schwarze und Indianer. Wie auf dem Gemälde «The Song of Mary Blane», das einen schwarzen Sänger und sein Publikum bei einem Picknick zeigt.

Blick hinter die Fassade: Frank Buchser malte was man nicht sehen sollte. Video: YouTube/trigon - film

Dass einer, der im Herzen ein Konservativer war, Sympathien entwickelte für die Unterprivilegierten, ist für die damalige Zeit bemerkenswert; das ist der Kern von Bruno Molls Dokumentarfilm. Und doch erliegt der Regisseur nicht der Versuchung, den brüchigen Charakter Buchsers glätten zu wollen – denn der Maler ging beispielsweise mit seinen Frauenbekanntschaften nicht nur pfleglich um.

Bruno Moll («Pizza Bethlehem») ist für seinen Film an die Schauplätze von damals gereist und kontrastiert diese Aufnahmen mit Buchsers Gemälden und Archivfotos. Immer wieder rückt Moll zudem eine Hand ins Bild, die zeichnet – eine visuelle Verlegenheitslösung. Viel spannender ist dagegen das, was anhand von Buchsers Tagebucheinträgen erzählt wird. Darin werden erstaunliche Episoden aus Buchsers Vita lebendig, und es entsteht das faszinierende Bild einer schillernden Figur.

Arthouse Piccadilly
Stadelhofen
Do 19.9. – 25.9.
14 Uhr, 18.10 Uhr
www.arthouse.ch

Erstellt: 19.09.2019, 09:34 Uhr

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