Ein Komet kehrt zurück

Einst war Hal Hartley ein Regiestar. Jetzt kann man sein Werk am Filmpodium wiederentdecken.

Liebespaar in «Trust» (1990): Adrienne Shelly und Martin Donovan.

Liebespaar in «Trust» (1990): Adrienne Shelly und Martin Donovan.

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Retrospektive Vor gut 30 Jahren galt Hal Hartley als die strahlende Zukunft des US-Independentfilms, ver­wandelte sich dann aber plötzlich in dessen glorreiche Vergangenheit. Seither geben lautere Stimmen dort den Ton an. Aufgegeben hat Hartley, der gerade seinen 60. Geburts­tag feierte, das Kino jedoch ganz und gar nicht: Im Filmpodium lässt sich entdecken, dass auch seine neueren Arbeiten hell leuchten.

Die Filmreihe entführt in ein eigenes, geschlossenes Universum, in dem die Figuren und ihre Darsteller munter zirkulieren, das voller unverhoffter Begegnungen und unvermuteter Liebesgeschichten ist und in dem ­Wutausbrüche und brüske Ohnmachtsanfälle an der Tagesordnung sind. Hartleys Filme heben den Alltag aus den Angeln.

Nichts läuft rund in den USA, die dieser Poet aus Long Island von «The Unbe­lievable Truth» (1989) mit melancholischer, anarchischer Lakonie in Szene setzt. Nicht von ungefähr sind seine Figuren oft in der Reparaturbranche tätig. Der amerikanische Traum hat sie aussortiert – obwohl es bei Hartley durchaus ­möglich ist, dass ein Müllmann zum Nobel­preisträger avanciert (siehe «Henry Fool» und «Fay Grim»).

Trust aus dem Jahr 1990: Vom Regisseur Hal Hartley. Video: YouTube/Blargh600

Auch die Nahtstellen des eigenen Mediums lässt er sichtbar werden. Anfangs arbeitet er mit godardschen Verfremdungseffekten, flicht verschmitzt Zwischentitel ein, setzt Kunstpausen oder wiederholt Dialoge sicherheitshalber im Off. So stilisiert wie Adrienne Shelly und Martin Donovan (um nur zwei Mitglieder seines trefflichen Ensembles zu nennen) agierten US-Darsteller bis dahin nicht; Hartley hat zudem ein grosses Herz für eifrig gestikulierende Laien. Die Montage assoziiert frei und doch zielstrebig: Bei diesem Regisseur ziehen ­Slapstick und Philosophie an einem Strang.

Bis Di 31.12.
Filmpodium
Nüschelerstr. 11
Siehe auch «Reprisen / Filmzyklen» Seite
www.filmpodium.ch

Erstellt: 23.11.2019, 09:15 Uhr

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