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Ein Western für Lädierte

Cowboy Brady muss ruhen, er hat sich beim Rodeo schwer verletzt. «The Rider» geht der Frage nach, ob in South Dakota noch ein Mann ist, wer nicht mehr reiten kann?

Brady (r.) hilft seinem gelähmten Kumpel Erinnerungen ans Rodeo reiten aufleben zu lassen.
Brady (r.) hilft seinem gelähmten Kumpel Erinnerungen ans Rodeo reiten aufleben zu lassen.

Es gab im amerikanischen Independent-Kino eine Zeit der Metropolen. Wir besuchten die Stadt Jarmusch, reisten in den Mega-Slum Waters, wagten uns in die City Tarantino. Alle kannten damals die Wege, doch wer weiss von den unzähligen Dörfern, aus denen heute das Öko­system Indie-Film besteht? Die Stationen tragen noch immer hübsche Namen, sie heissen Mike Ott, Alex Ross Perry, Eliza Hittman. Man rauscht an ihnen vorbei und nimmt sie kaum zur Kenntnis, weil die Wahrnehmung etwas Starres bekommen hat: Die Blicke sind fixiert auf das, was vor uns allen tanzt.

Daneben gäbe es viel, was man nicht kennen muss, aber entdecken kann, zum Beispiel Chloe? Zhao. Sie wurde in Peking geboren, machte die Filmklasse an der New York University und entwickelte im Rahmen des «Sundance Screenwriters and Directors Lab» ihren Erstling «Songs My Brother Taught Me». «The Rider» ist ihr zweiter Spielfilm.

Atmosphäre im Kleinen

Gedreht hat Zhao den Film mit einer kleinen Crew im Pine-Ridge-Reservat in South Dakota, die Geschichte schrieb sie für den Hauptdarsteller Brady Jandreau. Der Pferde­trainer und Nachkomme des Lakota-Stamms erlitt bei einem Rodeokampf schlimme Verletzungen, weil ihn ein Pferd an den Kopf trat. Er lag einige Tage im Koma und erwachte mit einer Metallplatte im Schädel. Auf gewisse Art spielt Cowboy Brady nun sich selbst: mit allen realen Wunden, inmitten seiner echten Familie und an der Seite seines besten Freundes Lane, der seit einem schweren Unfall gelähmt ist.

Die Gesellschaft, ja eigentlich auch die Landschaft weiss mit diesen lädierten Männern wenig anzufangen – wer nicht mehr reiten kann, gilt noch als halber Kerl und sieht umso kleiner aus in der amerikanischen Weite. Chloe? Zhao inszeniert das Land des Westerns nicht völlig untouristisch. Aber sie lässt viel Raum für Improvisation und erschafft Atmosphäre im Kleinen, aus Gesten und dem warmen Singsang des Dialekts von South Dakota. Ein sehr musikalischer Film, in dem sich der Staub des Alltags und die Träume einer entgrenzten Freiheit verbinden. Im Zentrum stets das sanfte Gesicht von Cowboy Brady: Er schwingt sich umso entschlossener auf, je brutaler ihm die Welt zu verstehen gibt, dass er am Boden liegt.

Riffraff Langstrasse/Neugasse 16.40 Uhr, 18.50 Uhr, 21 Uhrwww.riffraff.ch

Gelähmter Reiter sucht seine Identität: «The Rider». Video: Vimeo/cineworx gmbh

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