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Eine Lektion in Geschichte

Das neue Drama «J’accuse» von Roman Polanskis zeigt: Die Affäre Dreyfus ist immer noch aktuell.

Beginn des Skandals: Colonel Picquart (Jean Dujardin) zweifelt an Dreyfus’ Schuld.
Beginn des Skandals: Colonel Picquart (Jean Dujardin) zweifelt an Dreyfus’ Schuld.

Drama Rund viertausend Soldaten standen stramm, zwanzigtausend Gaffer brüllten «Tod!», als am 5. Januar 1895 dem französischen Hauptmann Alfred Dreyfus die Tressen von der Uniform gerissen und sein Offiziersdegen zerbrochen wurde. In einem Geheimverfahren war Dreyfus wegen Landesverrats zu Degradierung, Depor­tation und lebenslanger Verwahrung auf der Teufels­insel verurteilt worden. Jemand hatte für die Deutschen spioniert, man wusste nicht, wer. Man brauchte einen Schuldigen, und Dreyfus war Jude. Das genügte in Frankreichs damaligem politischem Klima. Tatsächlich war Dreyfus vollkommen unschuldig.

Bei einem Mittagessen Anfang 2012 schlug der Regisseur Roman Polanski dem Romanautor Robert Harris vor, einen Film über die Affäre Dreyfus zu drehen. Zwei Jahre vorher hatten sie bei der Verfilmung von Harris’ Politthriller «The Ghost» bereits gut harmoniert. Bei der Arbeit am Drehbuch begeisterte sich Harris ­derart für den Stoff, dass er Polanski sagte, er würde gern einen Roman darüber schreiben.

Grosszügig, so erzählte Harris letzten Herbst in Zürich, habe der Regisseur ihm das erlaubt. Das Buch, «An Officer and a Spy» (2013), ist Harris’ bestes. Auch wenn man weiss, wie die Affäre Dreyfus ausging, liest man es mit heissen Ohren: Harris ist ein Meister darin, in einem genau recherchierten historischen Kontext eine höchst spannende Geschichte zu entwickeln.

Natürlich kann der 132-minütige Film «J’accuse» nicht den gleichen Reichtum bieten wie der 600-Seiten-Roman, aber er ist sehr sorgfältig gemacht, die Darsteller sind allesamt hervorragend, und gerade heute, da sich Antisemitismus wieder breitmacht, ist es wichtig, zu zeigen, was diese bodenlos dumme Geisteshaltung für Unheil anrichten kann.

In diversen Kinos

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