Liebenswerter Nazi

Taika Waititi wagt mit «Jojo Rabbit» eine Nazi-Farce mit Kindern und einem imaginären Führer. Mal überdreht, mal niedlich.

Der beste Freund von Jojo (Roman Griffin Davis): Dieser Hitler (Taika Waititi) ist nur eingebildet.

Der beste Freund von Jojo (Roman Griffin Davis): Dieser Hitler (Taika Waititi) ist nur eingebildet.

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Von den beiden aktuellen Kinofilmen, in denen Hitler und ein Kaninchen eine Rolle spielen, ist «Jojo Rabbit» der gewagtere (der andere heisst «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» und beruht auf dem Kinderbuch von Judith Kerr). Es geht in der oft eher kruden Mischung aus Nazi-Satire, Klamauk und Kindheitsdrama auch nicht um ein Stofftier. Denn was der deutsche Junge Jojo (Roman Griffin Davis) im Zweiten Weltkrieg während eines Hitlerjugend-Bootcamps im Wald gereicht bekommt, ist ein lebendes Kaninchen.

Jojo soll ihm den Hals umdrehen, um seinen faschistischen Killer­instinkt zu demonstrieren, aber er bringt es nicht übers Herz. Und dies, obschon ihn sein imaginärer Freund, ein idiotisch hüpfender Adolf Hitler (Taika Waititi), den «loyalsten kleinen Nazi, den ich je gesehen habe», nennt.

Die Welt steht Kopf: Mit viel Humor wird die Geschichte des jungen Jojo erzählt. Video: YouTube/SearchlightPictures

Fortan wird der Bub «Jojo Rabbit» gerufen, und nur seine alleinerziehende Mutter – Scarlett Johansson, die ein bisschen chargieren darf – tut ihm gut. Sie lässt allerdings auch durchblicken, dass es nicht in Ordnung ist, was Nazi-Deutschland derzeit mit den Juden anrichtet. Entsprechend kriegt Jojo einen gewaltigen Horrorfilm-Schreck, als er herausfindet, dass seine Mutter auf dem Estrich ein jüdisches Mädchen (Thomasin McKenzie) versteckt hält. Der Teufel persönlich! Aber wieso hat er keine Hörner?

Der Neuseeländer Taika Waititi war einer der Köpfe hinter dem sehr komischen Vampir-WG-Mockumentary «What We Do in the Shadows», worauf ihn Hollywood als Regisseur von «Thor: Ragnarok» anheuerte. Jetzt durfte er wieder etwas für sich selber machen und ist zwischen «La vita è bella» und Wes Andersons Filmen im Graben gelandet. Die Tonalität ist durchweg schwankend, mal überdreht, mal liebenswürdig, mal hochdramatisch. Es fallen einem auch ständig deutlich bessere Filme ein. Zum Beispiel «Borat», wo ebenfalls mit extremen Klischees über Juden gespielt wird, um Hass und Vorurteile zu entlarven.

«Jojo Rabbit» – sechsfach Oscar-nominiert, etwa für den besten Film und die beste Neben­darstellerin – möchte eine riskante Niedlichkeit sein, und «umstritten» möchte man dieses Unding gar nicht nennen. Taika Waititi darf das ja alles auch. Was eine Komödie aber nicht darf, ist, so selten lustig zu sein wie «Jojo Rabbit». Es gibt im ganzen Film nur einen fantastisch guten Witz, und der geht so: «A jew!» – «Gesundheit!»

In diversen Kinos


Hitler-Satiren im Lauf der Filmgeschichte

The Great Dictator (1940)

To Be or Not to Be (1942)

The Producers (1967)

100 Jahre Adolf Hitler: Die letzte Stunde im Führerbunker (1989)

Mein Führer: Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler (2007)

Er ist wieder da (2015)

Erstellt: 22.01.2020, 18:43 Uhr

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