Er mird ein Wensch

Nur noch Kauderwelsch nach einem Schlaganfall: Alain Wapler lernt in «Un homme pressé» von neuem Sprechen.

Alain (Fabrice Luchini) bekommt Hilfe: Jeanne (Leïla Bekhti) lernt ihm das Sprechen.

Alain (Fabrice Luchini) bekommt Hilfe: Jeanne (Leïla Bekhti) lernt ihm das Sprechen.

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Er ist ein rechtes Ekel, dieser Alain Wapler. Noch nie hat er jemandem «Danke» gesagt, und sein Motto lautet: «Ich schlafe, wenn ich tot bin.» Dann aber hat der höchst erfolgreiche Autofirmenmanager gleich zwei Schlaganfälle hintereinander, und wie er im Spital aufwacht, versteht ihn kein Mensch: Denn was Wapler da von sich gibt, ist nichts als Kauderwelsch. Er, die Ungeduld in Person, muss langsam wieder reden lernen. Dabei behilflich ist ihm die Logopädin Jeanne.

Es wimmelt von Klischees in dieser Komödie von Hervé Mimran nach der Geschichte eines ehemaligen Peugeot- und Airbus-Managers: Wapler lässt sich morgens durch die Börsenkurse wecken, er vernachlässigt seine Tochter, und zu seiner Menschwerdung gehört nicht nur, dass er Jeanne hilft, ihre biologische Mutter zu finden, sondern dass er auf dem Jakobsweg (!) auch noch ein Rehkitz (!!) rettet.

Nur noch Kauderwelsch nach einem Schlaganfall: Der Manager muss von neuem Sprechen lernen. Video: Vimeo/Florence Adam - JMH

Trotzdem sehenswert ist «Un homme pressé» wegen der Schauspieler: Die junge Rebecca Marder ist sehr berührend als Waplers Tochter. Eine fantastische Präsenz hat Leïla Bekhti («Un prophète») als Jeanne. Aber das wirkliche Ereignis ist wieder einmal Fabrice Luchini. Von allen lebenden französischen Schauspielern ist er der grösste Sprachfanatiker. Berühmt sind seine Bühnenprogramme, in denen er Texte des Fabeldichters La Fontaine oder des Romanciers Céline vorträgt.

Und jetzt spielt Luchini einen Mann, der im Brustton der Überzeugung Dinge hervorsprudelt, die absolut unsinnig sind. Solche Texte zu sprechen und gleichzeitig Waplers Entrüstung darüber zu spielen, dass er nicht verstanden wird, obschon er sich seiner Meinung nach glasklar ausdrückt, das macht Fabrice Luchini so schnell keiner nach.

Arthouse Movie
Nägelihof 4
16.30 Uhr, 20.30 Uhr
www.arthouse.ch

Erstellt: 21.08.2019, 16:32 Uhr

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