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Es brodelt ödipal

In «Sohn Meines Vaters» findet ein brotloser Illustrator heraus, dass sein Vater eine Geliebte hat.

Von rechts nach links: Sohn, Mutter, Vater, Geliebte.
Von rechts nach links: Sohn, Mutter, Vater, Geliebte.

Natürlich ist davon auszugehen, dass nicht mehr die Hebamme dran schuld ist, wenn jemand dann mal stirbt. Andererseits stimmt es halt schon auch, dass Kinder Kinder bleiben, solang sie Eltern haben, und dass man sein Päcklein Familiengeschichte zu tragen hat, schuldlos unter Umständen, seiner Lebtag lang.

Weil manche Eltern ein Neurosen erzeugendes Verwöhnungs-, Egoismus- und Erpressungspotenzial entfalten können, dass es nur so rauscht. Und jedenfalls wünscht man diesem grossen, verwöhnten Jungen Simon (Dimitri Stapfer), der am Ende von Jeshua Dreyfus’ melancholischem Film etwas bedeppert in eine Zukunft blickt, die er nicht wollte, wirklich alles Gute. Vorläufig wirds aber ein Elend sein, wahrscheinlich.

Vor dem Ende hat der Film Folgendes erzählt, zusammengefasst: dass Simon ja doch auch selber schuld ist. Weil er Illustrator geworden ist aus Neigung und sich die Brotlosigkeit gönnt. Denn sein Brot und ein bisschen was drauf kommt von den Eltern. Weshalb er es zulässt, dass seine Mutter (Sibylle Canonica) an ihm klebt, die von ihrem Mann (Dani Levy), einem Psychiater und Experten für vollendet ehrliche Beziehungen, betrogen wird nach Strich und Faden. Gegen die libertine Eloquenz des Vaters wiederum kommt Simon nicht an. Item, man versteht schon, dass es irgendwie ödipal in ihm brodelt. Gescheit ists trotzdem nicht, mit der ­Geliebten des Vaters zu schlafen.

Das spielt in der Atmosphäre eines liberalen jüdischen Wohlstands, nebenbei gesagt. Und es ist nun nicht eine Geschichte von überwältigender Nötigkeit. Aber sie wird erzählt mit Eleganz und ist heiter in der Melancholie und von witziger Hinterlist im Ernst der variablen Liebesleben.

Houdini / Kosmos

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