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Es schäumt der Zorn

In «The Wife» hat ein Schriftsteller das Talent seiner Frau ausgenutzt. Das lässt sie sich nicht mehr gefallen.

Sie hat genug von ihrem Mann: Joan (Glenn Close).
Sie hat genug von ihrem Mann: Joan (Glenn Close).

Es müsse, sagte die Schauspielerin Glenn Close einmal, heute schon eine wirklich neue Tür zu einer weiblichen Gefühlswelt aufgehen, damit ihre Kreativ­muskeln in Schwung kämen. Ihre starken Frauenfiguren, ein Schauspielerinnenleben lang, haben an den Wahnsinn gerührt («Fatal Attraction»), an die königliche Tragik («The Lion in Winter»), an die Rebellion gegen Geschlechterrollen («Albert Nobbs»).

Jetzt ist sie Joan Castleman in der englisch-schwedischen Produktion «The Wife» nach dem Roman von Meg Wolitzer. Joan ist eine Frau, die ihrem Mann, einem berühmten Schriftsteller (Jonathan Pryce), immer den Rücken freigehalten hat. Und hinter diesem Rücken ist sie verschwunden im Lauf der Jahre, obwohl ihr Genie gegeben war und ihm nur Talent. Er hat sich literarisch genährt von ihr, und sie hat es geduldet. Bis dieser Castleman den Literaturnobelpreis gewinnt und seine Frau in Stockholm zur Statistin macht. Da schäumt ihr innerer Zorn über.

Man muss nicht mehr wissen von der einfach gehaltenen Erzählung in praktischen Rückblenden (Annie Stark, die Tochter von Glenn Close, spielt darin die junge Joan Castleman; es hat seinen familiären Reiz). Aber wissen muss man, was man verpassen würde, wenn man diesen kleinen Film übersähe: die grandiose Intensität einer Hauptdarstellerin, die ganz für sich allein ein Charakerkonzert spielt. Mit brausender Wut, mit stiller Selbstkontrolle, mit scharfer Ironie. Und mit liebenswerter Traurigkeit und fraulicher Würde. Der würdigste Satz, den sie spricht, lautet: «Unterstehen Sie sich, mich zum Opfer zu machen, ich bin interessanter als das.» Für all das hat sie Anfang Jahr ganz zu Recht den Golden Globe gewonnen und ist nun für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Arthouse Le Paris Stadelhofen 15 Uhr, 17.45 Uhr, 20.20 Uhrwww.arthouse.ch

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