Fingerabdrücke, Dates und Floskeln

«Die drei !!!» beweist, dass es viel zu lernen gibt, wenn Mädchen einen Geist jagen.

Machen ihren Job besser als der Dorfpolizist: die Freundinnen Kim, Franzi und Marie.

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Bei den drei Ausrufezeichen handelt es sich um die weibliche Version der drei Fragezeichen; seit 2006 löst das Mädchentrio Kriminalfälle. In ihrem ersten Kinofilm nehmen die drei an einem Theatercamp teil – doch wie es scheint, geht in den Mauern des alten Theatergebäudes ein Gespenst um. Die jungen Detektivinnen gehen dem auf den Grund. Das ist nicht nur für sie, sondern auch für das Publikum lehrreich. Denn folgende Dinge haben wir von diesem Film gelernt:

• Auch Teenager-Detektivinnen untersuchen Tatorte und nehmen Fingerabdrücke wie die Polizisten aus der Serie «CSI». Nur, dass das Pulver pink eingefärbt ist und die Visitenkarte glitzert.

• Ein junges, blondes Mädchen kann einen Polizisten so nervös machen, dass der statt einen Kaktus einen Porzellanlöwen mit Wasser besprüht.

• Floskeln gehen immer: «Das Theater ist ein magischer Ort», sagt Marie einmal zu einem Journalisten. An anderer Stelle raunt ein Ex-Häftling: «Du hättest die Vergangenheit ruhen lassen sollen, das wäre besser für uns alle.»

• «Jungs sind Zeitverschwendung», sagt Franzi einmal und ist gleichzeitig in den coolen Theatertechniker verliebt. In der Tat: Viel Filmlaufzeit geht drauf für Dates und romantische Wirren.

• Ein Mädchen fährt nur dann richtig gut Skateboard, wenn ein Junge ihr sagt, dass sie richtig gut Skateboard fährt.

• Inder tragen Turban und fahren Taxi.

• Der Schauspieler Jürgen Vogel ist toll als Theaterleiter. Mit Wallhaarperücke sieht er aber auch nicht besser aus als mit Glatze. Und Armin Rohde macht sogar als Kneipenbesitzer «Hein» eine gute Figur.

• Einen nicht besonders engagierten Film mit altbackenem Frauenbild können aber auch Gastauftritte von Schauspielstars nicht retten.

Die drei Fragezeichen haben ein weibliches Pendant – die drei Ausrufezeichen treten in ihrem ersten Film gegen ein Gespenst an: «Die drei !!!», Video: YouTube/Praesens-Film


«Wir haben bewusst gewisse Klischees bedient»

Die 34-jährige Regisseurin Viviane Andereggen kam in Zürich zur Welt, aufgewachsen ist sie im Aargau und in Ungarn. Sie studierte in Basel und arbeitete nebenher als Videokünstlerin an verschiedenen Theater sowie als als freie Fotografin. In Hamburg studierte sie anschliessend Film und Regie. Ihr erster Langfilm war «Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut» (2015).

Seit 2006 gibt es «Die drei !!!» als Bücher. Waren sie Ihnen ein Begriff, bevor Sie den Film machten?
Ich selbst hatte die Bücher nicht gelesen, dafür war ich auch zu alt. Aber ich hatte Bekannte, deren Kinder begeistert davon waren.

Wie sind Sie zum Film gekommen?
Ich wurde von der Constantin zu einem Gespräch eingeladen und las das Drehbuch. Ich fand es extrem cool; es hatte etwas Anarchisches und Frisches, es ging um selbstbewusste, schlaue Mädchen. Spannend fand ich, dass die Geschichte am Theater spielt, ich hatte ja selbst viel am Theater gearbeitet. Und es interessierte mich, einen grossen Mainstreamfilm zu drehen. Gemeinsam mit den beiden Autorinnen habe ich dann das Drehbuch weiterentwickelt.

Die Handlung hat aber keine direkte Vorlage in den Büchern, oder?
Die Story entstand für den Film, wir sprachen sie aber mit dem Verlag ab. Wir mussten uns an die Vorgaben aus der Buchreihe und den Hörspielen halten. Wir konnten zum Beispiel nicht einfach die Figuren oder die Beziehungskonstellationen ändern.

Machten Sie sich bei der Darstellung der Mädchen Sorgen, in Klischees abzudriften?
Wir haben bewusst gewisse Klischees bedient. Ich habe mich auf die Bücher eingelassen, ein solcher Film soll ja die Fangemeinde abholen. Und ich wollte einfach coole Figuren zeigen, die aber ganz unterschiedlich sein können. Marie zum Beispiel interessiert sich halt für Kleider und Schminke. Wir haben auch mit den Kindern gesprochen und sie gefragt, was sie interessiert; es war mir wichtig, dass sie mitreden konnten. So entstand zum Beispiel die Szene mit der Modenschau, in der Marie mit einer Freundin Kleider ausprobiert. Viele der Kinder hatten Erfahrungen mit Tanzen oder Singen, das kam in den Film hinein.

Eine kleine Rolle in den Ermittlungen spielt auch ein Youtube-Kanal, den ein Mitschüler der Ausrufezeichen betreibt.
Wir haben uns natürlich gefragt: Womit setzen sich Kinder auseinander? Wir haben mit den Darstellerinnen darüber gesprochen, aber uns auch angesehen, was Kinder auf Youtube oder Tiktok machen. Wir sind quasi undercover gegangen.

Wie war die Zusammenarbeit mit den erwachsenen Schauspielern?
Die wussten natürlich, dass das ein Kinderfilm ist und sie nicht die Hauptrolle spielen. Die Kinder konnten viel lernen und haben zum Beispiel bei Jürgen Vogel abgeguckt, wie er das so macht.

Mit Viviane Andereggen sprach Gregor Schenker

Erstellt: 25.07.2019, 15:02 Uhr

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