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Flucht nach Teheran

Ein junges Paar vom Land sucht in der Grossstadt nach ein bisschen Freiheit. Der Film «Malaria » erzählt ihre Geschichte.

Hanna und Murry wollen den rigiden Moralvorstellungen entfliehen.
Hanna und Murry wollen den rigiden Moralvorstellungen entfliehen.

Jugendliche und ihre Smartphones sind unzertrennlich, das ist nicht nur in der Schweiz so, sondern auch im Iran. Hanna (Saghar Ghanaat) legt ihr Gerät fast nie aus der Hand; sie filmt alles, was sie unternimmt. So auch, wie sie mit ihrem Freund Murry (Saed Soheili) aus der Provinz nach Teheran reist. Unterwegs werden die beiden von Azi (Azarakhsh Farahani) in seinem Tourbus aufgelesen – er trägt ein Metallica-T-Shirt und spielt in einer Rockband mit. «Wir heissen Malaria», erklärt er ihnen. So landen die jungen Leute vom Land mitten im Nachtleben der Millionenstadt.

Die Handyvideos der Heldin machen einen bedeutenden Teil des Films aus, der einen oft dokumentarischen Blick auf den iranischen Alltag wirft. So sehen wir schon mal, wie ein Mann in aller Öffentlichkeit seinen fauchenden Löwen mit einem Gummischlauch wäscht. Oder wir erleben mit, wie die Menschen ausgelassen in den Strassen feiern, als in Wien das Atom­abkommen von 2015 beschlossen wird – eben jener Atomdeal, aus dem jüngst die USA unter Trumps Führung wieder ausgestiegen sind. Das Wissen gibt der eigentlich freudigen Szene im Nachhinein eine bittere Note.

Neben der damaligen Aufbruchs­stimmung und der Sorglosigkeit des Künstlermilieus herrschen aber auch die rigiden Moral­vorstellungen des traditionellen Iran: Hanna und Murry bekommen kein Hotelzimmer, weil sie weder verheiratet noch verwandt sind; so müssen sie bei Azi in der Wohnung unterkommen. Und die Familie des Mädchens ist den beiden stets auf den Fersen; ihr Vater und die Brüder drohen mit Gewalt.

In diesem Staat haben die jungen Leute mit ihren Träumen von der Freiheit nichts zu melden, und als sie in die Mühlen der Justiz geraten, geht man mit ihnen ähnlich grob um wie mit den Küken, die in einer Szene auftauchen: Die kleinen Vögel werden von ihrem Besitzer rot eingefärbt, weil sie sich mit bunten Federn besser verkaufen als im herkömmlichen Gelb – bei der Färbeprozedur geht der Mann derart brutal vor, dass manche Tiere sterben. Hanna gelingt es, wenigstens eins der Küken zu retten. Aber vorher macht sie natürlich ein Foto von dem Tierchen.

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