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Für diese Filme lohnt es sich ins Kino zu gehen

Ethan Hawke als Regisseur, Rowan Atkinson als Agent, ein Hundecoiffeur und ein Polizist: Diese Filme laufen neu in den Kinos.

Ein Hundecoiffeur hat mehr für Tiere als Menschen übrig: «Dogman».
Ein Hundecoiffeur hat mehr für Tiere als Menschen übrig: «Dogman».

Blaze

Von Ethan Hawke, USA 2018, 128 min.Biopic

Noch nie etwas von Blaze Foley gehört? So geht es den meisten. Der Folksänger aus Texas führte ein unstetes Leben, schrieb einige Songs, die es ins Repertoire von Countrystars schafften. 1989 starb er mit 39 Jahren in einer Schiesserei. «Blaze» skizziert sein Leben fragmentarisch. Schauspieler Ethan Hawke schafft in seinem dritten Spielfilm als Regisseur das Kunststück, die Lebensgeschichte völlig unsentimental und doch äusserst berührend zu erzählen. Die Hauptdarsteller sind exzellent, allen voran Benjamin Dickey (selber ein Sänger) als Musiker mit Bärenfigur. Es gibt überraschende Gastauftritte, zum Beispiel Kris Kristofferson als Vater. Und Hawke selber? Der ist auch zu sehen, als Radiomoderator, stets mit dem Rücken zur Kamera. (ml)

Dogman

Von Matteo Garrone, I 2018; 102 min.Drama

Marcello (Marcello Fonte), der Hundecoiffeur, hat ein gutes Herz. Die Hunde, die er betreut, werden zahm unter seinen Händen, und mit dem eigenen isst er die Pasta vom gleichen Teller. Rings um ihn ist aber eine zerbröckelnde, brutale Welt und tut nur noch so, als sei sie zivilisiertes Italien. Darin versteinert auch Marcellos Herz und wird mörderisch hart. Selten sieht man im Kino so konsequentes Einsamkeitsgrau und Verzweiflungsschwarz. Hier, am Ende aller Zukunftslust und -aussicht, hat eine elende italienische Gegenwart etwas von quasi gefrorener Endgültigkeit. (csr)

Girl

Von Lukas Dhont, Belgien 2018; 105 min.Drama

Das Transmädchen Lara (Victor Polster) will Profiballerina werden. Als die 15-Jährige von den Hormonen für die Geschlechtsumwandlung zunehmend geschwächt wird, reagiert sie radikal. Der belgische Regisseur Lukas Dhont hat einen eindrücklichen Film geschaffen, in Cannes gabs den Preis für das beste Erstlingswerk. Die Geschichte an sich ist nicht neu, doch allein schon Polsters Gesicht mit der enormen Bandbreite an Emotionen macht den Film sehenswert -- dafür wurde er, ebenfalls in Cannes, als bester Schauspieler ausgezeichnet. Und am ZFF gabs für den Film den Hauptpreis (aka)

Johnny English Strikes Again

Von Oliver Parker. GB/USA/F 2018, 88 min.Komödie

Der Spezialagent Johnny English (Rowan Atkinson) wird damit beauftragt, einen Hacker-Angriff auf England aufzuklären -- aus dem einfachen Grund, weil alle anderen Agenten tot oder enttarnt sind. Selbst die Premierministerin (Emma Thompson) hält ihn für einen Idioten. Trotzdem rettet er wieder die Welt. Originale werden mit jeder Folge schlechter, Johnny English mit jeder Folge besser. Rowan Atkinson mag als Mr. Bean unerträglich sein, in dieser und so vielen anderen Rollen ist er grossartig. Wir haben nicht gezählt, aber vermutlich über neunzigmal gelacht: einmal pro Minute. (jmb)

The Guilty

Von Gustav Möller, Dä 2018; 85 min. Thriller

Polizist Asger (Jakob Cedergren) muss unfreiwillig Nachtschicht in der Kopenhagener Notrufzentrale schieben. Da erhält er den Anruf einer Frau, die angeblich entführt wurde. Asger setzt darauf alle Hebel in Bewegung, um die Frau zu retten, wobei er sich manchmal selbst im Weg steht. Der dänische Regisseur Gustav Möller setzt auf packenden Minimalismus: Die Kamera bleibt in seinem Debüt stets in der Notrufzentrale. So ist der Zuschauer gezwungen, sich ein eigenes Bild von draussen zu machen, wenn Asger mit der Entführten spricht, deren verängstigte Tochter zuhause beruhigt und einen Kollegen dazu bringt, in die Wohnung des Entführers einzubrechen. Ein virtuos inszenierter Thriller mit knackigem Finale. Kritikerpreis am ZFF. (zas)

Der Vorname

Von Sönke Wortmann; D 2018, 91 min. Komödie

Adolf – so wird man seinen Sohn doch noch nennen dürfen! Der schnittige Unternehmer (Florian David Fitz), um dessen angekündigten Nachwuchs es geht, findet das subversiv, der Literaturprofessor (Christoph Maria Herbst) tobt rotweinschwenkend, seine Frau (Caroline Peters) holt zur Besänftigung den Nachtisch aus der Küche und die Schwangere (Janina Uhse) geht eine rauchen. In dem Stoff – nach einem französischen Theaterstück – stecken aktuelle Fragen zum Verhältnis der bürgerlichen Kultur mit der Neuen Rechten, und so inszeniert Sönke Wortmann («Das Wunder von Bern») ihn streckenweise auch: Wie eine erzählerisch illustrierte Anne Will-Sendung. (SZ)

Zwischen Kalkül und Zufall

Von Jürg Egli; CH 2018, 90 min. Dokumentarfilm

Der Zürcher Künstler Beat Zoderer kreiert seine Bilder und Installationen aus Überlagerungen, er schichtet Farben und Materialien zu geordneten Bildräumen. Dokfilmer Jürg Egli kombiniert Zoderers Ästhetik mit jener des Pianisten Nik Bärtsch, dessen Zen-Funk ebenfalls geschichtet entsteht. Eglis Idee ist nicht neu, aber an sich bestechend: Er lädt Zoderer und Bärtsch zur gemeinsamen Session ins Atelier, wo sich ihre Schichtungen gegenseitig überlagern. Leider belässt es Egli nicht dabei, sondern mischt seinem Film-Essay zu viele weitere Bildebenen bei, die dem audiovisuellen Geflecht seinen Zauber nehmen. (fn)

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