Fürst der Finsternis

Jacques Tourneur hat bedeutende Klassiker des Horrorfilms gedreht – aber nicht nur.

Jacques Tourneur richtet eine Halskette am Set des Westerns «Canyon Passage».

Jacques Tourneur richtet eine Halskette am Set des Westerns «Canyon Passage».

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Er war davon überzeugt, dass die Angst eine intime, private Erfahrung ist. Das unterscheidet ihn von den meisten anderen, deren Geschäft die Furcht ist: vom Grossteil der Horrorfilmregisseure, aber auch von Populisten und Terroristen. Jacques Tourneur (1904–1977) inszeniert den Schrecken in seinen Gruselfilmen diskret und voller Fein­gefühl. In «Cat People» (1942) kristallisiert sich sein Stil mustergültig heraus: Darin darf die Bedrohung unsichtbar bleiben und sich entfalten im atmosphärischen Wechselspiel von Finsternis und Seelenerforschung. Tourneur genügt die Andeutung, er kennt die Macht der Suggestion. Diese Zurück­haltung machte ihn in Hollywood zu einem Meister ohne Schüler, der allerdings illustre Bewunderer fand. Dieser Reigen umfasst so unterschiedliche Filmemacher wie Pedro Costa, Martin Scorsese und Bertrand Tavernier; gerade erst hat Marco Bellocchio «Cat People» in «Fai bei sogni» seine Reverenz erwiesen. Tourneur ist ein einfallsreicher Genreregisseur mit unverkennbarer Handschrift und eigener Weltsicht. Er variiert und unterläuft die Konventionen so nachdrücklich, dass er auch banalen Stoffen den Zauber poetischer Wahrheitssuche verleihen kann.
Die Triebfeder seiner Filme sind Unruhe und Zweifel, ihr Element ist das Halbdunkel, in dem er die Ambivalenz der menschlichen Natur aufgehoben weiss. In den Nuancen dieses Dämmerlichts lotet er den Widerspruch von Unschuld und Erfahrung, von Lebenswillen und Todessehnsucht aus. Seine Charaktere werden heimgesucht von den Geistern der Vergangenheit und der Welt des Übernatürlichen, von dessen Existenz Tourneur fest überzeugt war. Sie ist einschüchternd, für die Figuren genauso wie für ihren Regisseur. Seine Filme scheinen stets in einem gedämpften, entrückten Tonfall zu sprechen.

Das gilt nicht nur für seine berühmten Horrorfilme oder den magistralen, ebenso harten wie lyrischen Film noir «Out of the Past» (1947). Seinen Stil hat er auch in den entschlosseneren, tatkräftigeren Hollywoodgenres wie dem Western durchgesetzt. In Meisterwerken wie «Canyon Passage» (1946) inszeniert der gebürtige Franzose dessen grosse Themen – die Besiedelung, den Widerstreit zwischen Autarkie und Gemeinschaft – mit der Neugierde eines Fremden, der ­herausfinden will, wie man amerikanische Heimatfilme dreht.

Filmpodium
Nüschelerstr. 11
www.filmpodium.ch
Di 10.10. bis Mi 15.11.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2017, 09:03 Uhr

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