Godzilla überragt sie alle

Das Monster aller Monster kehrt auf die Leinwand zurück. Ihm kann kein anderes Wesen das Wasser reichen.

Der Megasaurier Godzilla ist eine Atomkatastrophe auf zwei Beinen.

Der Megasaurier Godzilla ist eine Atomkatastrophe auf zwei Beinen.

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Ende 2010 kaufte die Umweltorganisation Sea Shepherd einen grossen Trimaran und taufte ihn Gojira – so lautet der Name von Godzilla im japanischen Original. Mit der Gojira machten die Meeresschützer Jagd auf japanische Walfänger. Darüber beklagten sich die Japaner später bei der Internationalen Walfangkommission; gemäss Sea Shepherd wurden dabei auch Funksprüche abgespielt, in denen japanische Seemänner Notrufe durchgaben wie: «Mayday, Godzilla greift uns an!»

Schon im Mai 2011 musste das Boot umbenannt werden: Toho, das Filmstudio, das die Rechte an Godzilla besitzt, hatte Sea Shepherd eine Abmahnung geschickt. Seitdem heisst der Trimaran Brigitte Bardot.

Es gibt nur einen Boss: Godzilla, das Alpha-Monster. Video: YouTube/WarnerBrosSwitzerland

Der Fall zeigt die Symbolkraft des Urzeitgiganten. Bis heute ist Godzilla äusserst beliebt: Er wird dieses Jahr 65, ist aber trotz Pensionsalter der Star eines grossen Hollywoodfranchises: Nach «Godzilla» (2014) und «Kong: Skull Island» (2017) kommt nun «Godzilla II: King of the Monsters» ins Kino, der dritte Teil des sogenannten Monsterverse. Dieses ist inspiriert von den Marvel-Filmen, bloss, dass es nicht um Superhelden, sondern um Ungeheuer geht.

Fürs kommende Jahr ist bereits «Godzilla vs. King Kong» angekündigt. Die Reihe steht für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den USA und Japan, anders als noch Roland Emmerichs Godzilla­film von 1998 – der hatte damals zu wenig Geld eingespielt, um die geplanten Fortsetzungen zu rechtfertigen.

Parallel zu den aktuellen Co-Produktionen arbeiten die Toho-Studios an eigenen Godzilla-Abenteuern: «Shin Godzilla» war 2016 in seinem Heimatland ein Publikumsliebling und räumte an den japanischen Oscars ab.

Aufstieg einer Ikone

Der erste Godzillafilm kam 1954 in Japan ins Kino. Dieser war inspiriert von der Geschichte eines japanischen Fischerbootes, das durch einen Atombombentest der USA verstrahlt wurde, aber die Zerstörungen im Film erinnern auch deutlich an Hiroshima und Nagasaki – Godzilla gilt seither als Verkörperung der Atomkraft: Durch und durch ein Monster des 20. Jahrhunderts.

Filmisches Vorbild des ersten «Godzilla» waren amerikanische Monsterfilme. Bloss wären deren Stop-Motion-Effekte, bei denen Puppen in mühsamer Kleinarbeit animiert wurden, zu teuer gewesen – deswegen behalfen sich die Japaner damit, dass sie einen Schauspieler in ein Gummikostüm steckten.

Die amerikanische Fassung «Godzilla, King of the Monsters!» (1956), für die zusätzliche Szenen mit US-Darstellern gedreht wurde, machte den Riesensaurier im Westen bekannt. Im Lauf der Jahrzehnte stieg Godzilla zum beliebtesten Filmmonster auf – neben King Kong. Mit dem er ­übrigens schon 1962 in «King Kong vs. Godzilla» zusammentraf.

Eines von 17 Monstern: Ghidorah mit seinen drei Köpfen.

Inzwischen gibt es mehr als dreissig Godzillafilme, wobei seine Darstellung stets den Zeitgeist spiegelte. War Godzilla am Anfang eine Metapher auf den Atomkrieg, so wurde er in den Siebzigern zum Freund der Menschheit. Ob es daran liegt, dass Japan da bereits die Atomkraft zur Energiegewinnung einsetzte, also deren freundliche Seite erkannte?

In «Godzilla vs. Hedorah» (1971) kämpft der Saurer gar als Vertreter vermeintlich sauberer Atomkraft gegen ein Smogmonster. Dagegen ist er in seinem letzten Film aus Japan, dem erwähnten «Shin Godzilla», so böse wie nie zuvor: Er steht in diesem für den Tsunami von 2011 und Fukushima.

Vom Turnschuh zum Webbrowser

Insbesondere seit den Neunzigern hat Godzilla einen nachhaltigen Einfluss auf die Popkultur, mit unzähligen Anspielungen und Parodien. Da ist zum Beispiel ein skurriler Nike-Werbespot von 1993: In diesem tritt ein riesenhafter Charles Barkley gegen Godzilla in einem Baseballspiel an – und gewinnt dank seiner Turnschuhe. Die Beastie Boys nehmen in ihrem Video zu «Intergalactic» (1998) auf die Godzillafilme Bezug: Die drei Rapper kommen mit einem Riesenroboter zur Erde, der sich dort in einer Spielzeugstadt mit einem Oktopus-Monster prügelt.

Nur Nike stellt die Unantastbarkeit Gozillas infrage: Werbespot von 1993. Video: YouTube/bsarles

Roboter gegen Monster: Viele der klassischen Godzillafilme handeln davon. Die 90er-Serie «Power Rangers» guckte sich das ab. Und der erklärte Godzilla-Fan Guillermo del Toro drehte 2013 die Hommage «Pacific Rim».

Der Rapper Pharoahe Monch wiederum sampelte Godzillas Titelmelodie für seinen Song «Simon Says» (1999). Es wurde sein weitaus grösster Hit. Freilich erging es Monch wie der Organisation Sea Shepherd: Er wurde von Toho für die unerlaubte Verwendung verklagt.

Nicht zuletzt machte Godzilla den Wortanhang -zilla populär, wobei Toho auch dagegen immer wieder einzuschreiten versuchte. Allerdings meist erfolglos. Das ist der Grund, weshalb viele von uns ein bisschen Godzilla auf ihrem Computer haben: Zu den meistgenutzten Internetbrowsern gehört Mozilla Firefox.

In diversen Kinos

Erstellt: 29.05.2019, 11:19 Uhr

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Godzilla II

Von Michael Dougherty, USA?/?Jap 2019; 131 min.

Die Monsterforscher der Organisation Monarch haben ein neues Gerät entwickelt: Es ermöglicht ihnen die Kommunikation mit Godzilla und anderen sogenannten Titanen. Aber Ökoterroristen stehlen es, denn sie wollen damit das Supermonster Ghidorah wecken und die Vorherrschaft der Menschheit beenden – zum Wohle der Umwelt. Wenn sich der Saurier Godzilla mit Ghidorah prügelt und dann auch noch die Riesenmotte Mothra und die Flugechse Rodan dazustossen, macht das jede Menge Spass. Das menschliche Drama hingegen ist nicht immer so interessant, und die Umweltschutzbotschaft wirkt mitunter ganz schön albern – aber das ist ja meistens so in den Godzilla-Filmen. (ggs)

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