Grosse Werke aus Lateinamerika

Das neue Festival Mira! präsentiert unter anderem Filme aus Argentinien und Kuba. Drei Highlights.

Einer der Filme, der in Zürich zu sehen ist: «Memorias del subdesarrollo».

Einer der Filme, der in Zürich zu sehen ist: «Memorias del subdesarrollo».

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La florVon Mariano Llinás
Arg 2018; 167 min.

Es muss schon sehr überzeugende Argumente dafür geben, sich einen Film anzuschauen, der ganze 14 Stunden dauert. Ande­rerseits spricht ja gerade die schiere Länge für das Riesenwerk des Argen­tiniers Mariano Llinás, und der Kosmos hat den verspielt-vergnüglichen Film, in dem vier Schauspielerinnen immer wieder andere Figuren verkörpern, sowie­so auf Einzelfolgen und Blöcke aufgeteilt. Arthouse-­Binge-Watching quasi, aber nicht gierig, sondern im entspannten Rahmen. Und lohnenswert, denn «La flor» ist ebenso ein verschlungenes Metaspiel des Erzählens wie eine kecke Hommage an aller­lei Filmgenres – vom Horrorkino bis zur Seifenoper. (blu)

Do, 25.7. bis Mi 31.7., 18 Uhr: Teil 1–8
Sa, 3.8. (Teil 1–5) / So, 4.8. (Teil 6–8), ab 13.30 Uhr

Verschlungenes Metaspiel des Erzählens: «La flor». Video: Vimeo/trigon-film

Compañeros:
La noche de 12 años
Von Álvaro Brechner
Uru 2018; 123 min.

1973 führte ein Putsch in Uruguay zu einer blutigen Militärdiktatur. Zahlreiche Mitglieder der besiegten revolutionären Bewe­gung Tupamaro wurden gefangen genommen, darunter der spätere Präsident José «Pepe» Mujica und zwei seiner engsten Freunde und Kampfgefährten. Als besonders gefährlich eingestuft, wurden sie dennoch nicht sofort exekutiert, sondern in Isolationshaft gebracht und brutal gefoltert. Die hoch emotionalen Bilder dieses Spielfilms wirken lange nach. Und machen jedem klar, was es bedeutet, von sadistischen Wärtern zwölf Jahre lang an den Rand des Wahnsinns getrieben zu werden – und dennoch sich selbst und seinen Idealen treu zu bleiben. (pfb)

Fr, 26.7., 21.20 Uhr; Sa, 27.7., 15.15 Uhr
Mi, 31.7., 20.30 Uhr; Fr, 2.8., 15.45 Uhr

Wirkt lange nach: «Compañeros: La noche de 12 años». Video: Youtube/trigon-film

Memorias del subdesarrolloVon Tomás Gutiérrez Alea
Kuba 1968; 97 min.

Kuba, 1961: Fidel Castro ist an der Macht, viele Angehörige der Mittelschicht fliehen von der Insel. Ein von seiner Frau verlassener, eher apolitischer Mann (Sergio Corrieri) entdeckt eine neue erotische Freiheit. Die Schlagworte der Zigarre rauchenden Intellektuellen gehen ihm auf die Nerven, und das «Volk» scheint nicht weniger gierig zu sein als das exilierte Bürgertum. In seinen Memoiren stellt er beun­ruhigt fest, wie das «Paris der Karibik» sich verwandelt in ein absurdes «Bühnenbild», in eine sinnentleerte «Stadt aus Pappe», schliesslich in eine Falle. Ein fesselndes und zutiefst enigmatisches Meisterwerk, nun in glänzend restaurierter Fassung. (pfb)

So, 28.7., 20.45 Uhr;
Mi, 31.7., 15.45 Uhr

Fesselndes Meisterwerk: «Memorias del subdesarrollo». Video: Youtube/The Frida Cinema

Do, 25.7. — Mi, 7.8.
Kosmos
Lagerstr. 104
Mehr Infos zum Festival auf www.trigon-film.org
www.kosmos.ch

Erstellt: 25.07.2019, 10:16 Uhr

Filmverleger Walter Ruggle über Mira!

von Pierfrancesco Basile

Warum braucht es ein Festival des südamerikanischen Films?
Es läuft im Moment viel im latein­amerikanischen Kino. Auslöser für das Festival ist die schiere Menge von spannenden Filmen, oft von jungen Menschen gedreht.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Auswahl getroffen?
Es sind Filme, die anders sind und eine Filmsprache ausserhalb des Üblichen
suchen. Sie sind gesellschaftlich verwurzelt oder haben einen politischen Hintergrund. Prominent vertreten ist auch die weibliche Perspektive. Eine allgemeine Botschaft wollten wir aber nicht vermitteln, das wäre auch schwierig bei einem ganzen Kontinent.

«La flor» dauert 14 Stunden: Eine Zumutung für die Zuschauer?
Nein, eine Seherfahrung. Man kann einzelne Episoden schauen, die Reihenfolge ist irrelevant. Gute Serien gibt es nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Kino.

Sie zeigen zwei restaurierte Klassiker aus Kuba. Wieso sind diese Werke so wichtig?
«Memorias del subdesarrollo» (1968) ist einer der besten südamerikanischen Filme überhaupt, er ist formal wie inhaltlich spannend. Die Komödie «La vida es silbar» (1998) ist nicht nur fürs kubanische Kino wichtig, sondern auch für mich persönlich. Ich habe mit diesem Film angefangen bei Trigon-Film; wir haben ihn restauriert, auf der Basis des Originalnegativs aus Kuba.

Sie leiten den Verleih Trigon nun seit 20 Jahren. Was treibt Sie immer noch an?
Amore, passione e fantasia! Das hat mir eine italienische Köchin einmal im Zug als ihr Lebensmotto erklärt. Es ist das Elementarste im Leben, im Kino wie in der Küche. Es spielt keine Rolle, was man macht: Ohne diese drei Dinge hat man ein Problem.

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