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Im Dienst des derben Humors

«Kingsman: The Golden Circle» setzt auf grobschlächtige Witze. Doch dahinter steckt der Wille zur Politsatire.

Eggsy (Taron Egerton) macht auf den ersten Blick einen anständigen Eindruck
Eggsy (Taron Egerton) macht auf den ersten Blick einen anständigen Eindruck

Mitunter ist dieser Film schon arg pubertär. Da verfolgt der Geheimagent Eggsy (Taron Egerton) die Freundin eines Bösewichts, denn er soll heimlich einen Peilsender an ihr befestigen. Allerdings schaltet sich dieser Sender erst dann ein, wenn er sich in einer Schleimhaut ein­genistet hat. «Ich muss ihn ihr in die Nase stecken?», fragt Eggsy seinen Kollegen verwirrt. Dieser schüttelt den Kopf. Nein, der Sender müsse in die Vagina der Zielperson. Wer um alles in der Welt denkt sich eine derart umständliche Technologie aus?

Der Comicautor Mark Millar hat eine Vorliebe für derbe Einfälle und schlechten Geschmack, Regisseur Matthew Vaughn steht ihm da in nichts nach. Das haben die beiden schon bei «Kick-Ass» bewiesen, dieser Superheldenparodie, wo ein kleines Mädchen gestandene Männer abschlachtet. Auch «Kingsman» basierte auf einem Comic Millars und wurde von Vaughn verfilmt. Dort schaffte es der Unterschichtjunge Eggsy, in die noble Geheimorganisation Kingsman aufgenommen zu werden. Jetzt im zweiten Teil stehen die königlichen Agenten unter Beschuss: Raketen sprengen alle ihre geheimen Stationen in die Luft. Den Befehl dazu gab Miss Poppy (Julianne Moore), die Chefin eines Drogenkartells, das unter dem Namen The Golden Circle weltweit operiert. Um sich zu wehren, spannen die verbliebenen Agenten sogar mit den Amerikanern zusammen. Miss Poppy hat sich einen teuflischen Plan ausgedacht: Sie hat ihre Drogen mit einem Gift versetzen lassen, das ihre Konsumenten schleichend umbringt. Das Gegenmittel rückt sie nur unter der Voraussetzung heraus, dass der amerikanische Präsident auf ihre Bedingungen eingeht und sämtliche Drogen legalisiert. Doch der Präsident ist ein Mistkerl und will die Vergifteten sterben lassen, um das Drogenproblem in seinem Land für immer zu lösen. Wer an den Drogen stirbt, sei halt selbst schuld. Daran zeigt sich, dass Mark Millar und Matthew Vaughn ein ähnliches Konzept verfolgen wie beispielsweise die Macher von «South Park»: So unreif der Film auf den ersten Blick auch zu sein scheint, so steckt hinter dem grobschlächtigen Humor halt doch treffende Politsatire.

In diversen Kinos

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