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Japanisches Leben

Am Festival für japanisches Filmschaffen: Eine strickende Transgenderfrau und ein tauber Komponist.

Das Mädchen Tomo und sein Onkel geniessen den Frühling in «Close-Knit».
Das Mädchen Tomo und sein Onkel geniessen den Frühling in «Close-Knit».

«Wenn ich wütend bin oder so traurig, dass ich sterben möchte», erklärt Rinko (Toma Ikuta), «dann stricke ich einfach.» Ihr Ziel besteht darin, 108 Penisse aus Wolle anzufertigen. Diese wird sie anschliessend verbrennen – ihre Version eines buddhistischen Rituals, das ihr dabei helfen soll, endgültig mit ihrer Vergangenheit als Mann abzuschliessen. Danach will sie ihren rechtlichen Status zu dem einer Frau ändern; in Japan steht diese Möglichkeit Transgendermenschen seit 2003 offen.

Das leichtfüssige Drama «Close-Knit» eröffnet dieses Jahr das Ginmaku; zum Anlass reist auch die Regisseurin Naoko Ogigami nach Zürich. Die Geschichte der geschlechtsumgewandelten Rinko erzählt sie aus der Sicht der elfjährigen Tomo (Rinka Kakihara). Deren Mutter verschwindet wieder einmal mit irgendeinem Kerl (der Vater ist schon lange weg), weswegen das Mädchen bei seinem Onkel unterkommt. Dieser ist eben mit Rinko zusammen. Daran muss sich die Kleine erst gewöhnen, stellt aber bald fest, dass die Transgenderfrau weitaus fürsorglicher ist als die eigene Mutter. Für das traditionalistisch eingestellte Umfeld bleibt Rinko jedoch ein Freak.

Für seine Menschenrechte kämpft auch der Komponist Mamoru Samuragochi im Dokumentarfilm «Fake». Jahrelang war er ein Star, weil er Musik machte, obwohl er sein Gehör verloren hatte. Sogar im Westen feierte man ihn als «japanischen Beethoven». Bis sich 2014 ein Musikerkollege an die Öffentlichkeit wandte und behauptete, die meisten Werke von Samuragochi habe in Wirklichkeit er komponiert. Ebenso sehr, wie die Medien den tauben Komponisten feierten, verdammen sie ihn nun – darüber hinaus werfen sie ihm vor, seine Taubheit erfunden zu haben.

Samuragochi bestreitet zwar nicht, dass er den Mitarbeiter verschwiegen hat, will aber beweisen, dass er tatsächlich schwer hörbehindert ist. Ein aussichtsloses Unterfangen, denn die Menschen haben ihn bereits als Bösewicht abgestempelt. So gibt der Dokumentarfilmer Tatsuya Mori eine erschreckende Lektion über die Funktionsweise der Medienlandschaft.

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