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Jeder täuscht jeden

Guy Ritchie hat endlich wieder eine Krimikomödie gedreht, in der die Wendungen überraschen und die Dialoge flitzen.

Jean-Martin Büttner
Wer liegt im Kofferraum? Zwei Gangster (Colin Farrell, Charlie Hunnam) schauen nach.
Wer liegt im Kofferraum? Zwei Gangster (Colin Farrell, Charlie Hunnam) schauen nach.

Es sieht so aus, als wolle der Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant), ein höhnischer Opportunist, ein Drehbuch verkaufen. Nur verlangt er dafür 20 Millionen Pfund. Denn das Drehbuch ist eine Erpressung in Skriptform. Fletcher will den amerikanischen Drogendealer Mickey (Matthew McConaughey) blossstellen, der in Grossbritannien mit seinen unterirdischen Hanfplantagen Millionen verdient hat.

Eigentlich möchte Mickey aus dem Geschäft aussteigen, doch das erweist sich als schwierig, weil gleich mehrere andere Gangster seine Ware für sich haben wollen. Da ist ein amerikanischer Milliardär, der merkt, wie viel mehr Geld er mit dem Hanfdealen verdienen würde, aber nicht bereit ist, Mickey angemessen dafür zu bezahlen. Dazu kommen ein chinesischer Gangster und erst noch ein Boxer, der so tut, als sei er kein Krimineller, aber es glaubt ihm keiner.

Und als wären das nicht genug Gegner, will sich auch noch der Chefredaktor eines Boulevardblattes an Mickey rächen. Denn dieser behandelte ihn bei einer Begegnung ohne den erwarteten Respekt. Darum hat er den Privatdetektiv Fletcher auf Mickey angesetzt.

Eine Rolle für Hugh Grant

Aus dieser Ausgangslage entwickelt der britische, für seine Krimikomödien bekannte Regisseur Guy Ritchie («Lock, Stock and Two Smoking Barrels», die beiden «Sherlock Holmes»-Filme mit Robert Downey Jr. und Jude Law) seine Story. Hugh Grant führt als Erzähler durch die Handlung und spielt den schmierigen Fletcher mit einer ironischen Brillanz, mit der er schon in der Serie «A Very English Scandal» als ruchloser Parlamentarier beeindruckte. Und diese Brillanz befreit ihn endlich von der Rolle des ewigen Buben, die ihn seit «Four Weddings and a Funeral» und «Notting Hill» gefangen hielt. Alleine schon seinetwegen lohnt sich der Film.

Aber er lohnt sich auch, weil Hugh Grants Kollegen ebenso gut spielen und das offensichtlich ebenso gerne tun, allen voran Matthew McConaughey, der den Hanfunternehmer mit einem für ihn so typischen schläfrigen Charme interpretiert, der eine hohe kriminelle Energie kaschieren soll.

Jeder ist ein Gangster

Natürlich muss man den Filmtitel ironisch verstehen. Denn in «The Gentlemen» handelt jeder als Verbrecher, der alle anderen betrügen möchte oder, wenn das nicht geht, beseitigen. Guy Ritchie ist in den letzten Jahren lange nicht alles gelungen, dieses Werk zeigt ihn von der besten Seite: Die Handlung ist virtuos kon­struiert und überrascht mit ihren Wendungen. Die Dialoge flitzen auf hohem Niveau, und man freut sich über jeden, der vom anderen hereingelegt wird, im Wissen, dass diesem bald dasselbe widerfahren wird.

Schade nur, dass die Männer fast die ganze Handlung unter sich ausmachen. Zwar spielt Mickeys Frau Rosalind (Michelle Dockery, bekannt aus «Downton Abbey») eine wunderbar zwielichtige Figur, die ihren Einfluss versteckt, um ihn besser auszuüben – aber sie hätte einen grösseren Auftritt verdient. Kriminell sein ist ja auch ein Frauenberuf.

In diversen Kinos

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