Kotzbrocken trifft Hund

In der Komödie «Mon chien Stupide» stiftet ein Riesenvieh einem Autor Lebenssinn. Das ist sehr französisch.

Den Kopf auslüften für neue Ideen: Der Schriftsteller (Yvan Attal) führt seine Muse spazieren.

Den Kopf auslüften für neue Ideen: Der Schriftsteller (Yvan Attal) führt seine Muse spazieren.

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Es handelt sich bei «Mon chien Stupide» um die heftig französisierte Kino­fassung des amerikanischen Romans «My Dog Stupid» (John Fante, 1985). Stellen Sie sich den Film so vor: Da ist ein Schrift­steller, Henri (Regisseur Yvan Attal spielt seine Hauptfigur selbst), reich geworden durch einen frühen Bestseller, verheiratet mit der klugen Cécile (gespielt von Attals Lebenspartnerin Charlotte Gainsbourg). Henri hat alles, was er immer wollte: einen Porsche, ein Haus am Meer, und von manchem hat er zu viel – zum Beispiel vier erwach­sene Kinder, die das Budget be­lasten und Widerworte geben.

Nur die rechte Inspiration fehlt diesem Henri. Eigentlich ist da gar keine mehr, und das sei, sagt er, weil das Haus am Meer nicht die Piazza Navona in Rom sei. Dort, denkt er, ginge das Dichten nämlich wie geschmiert. Aber im Grund hat er sichs kommod eingerichtet im wunschlosen Unglück seiner künstlerischen Impotenz. Die Welt hat er sich so lang schlechtgeredet, bis sie schlecht wurde für ihn, und er ist ein Meister des Missbilligens und Verletzens geworden.

Nach dem Erfolg die Ernüchterung: Der Schriftsteller bringt nichts mehr zu Papier. Video: YouTube/freneticfilms

Ein geistreicher Kotzbrocken von egozentrischer Sentimentalität. Einer von so betäubender Arroganz, dass die Frau es nicht mehr aushält mit ihm (die Kinder auch nicht, nebenbei; aber die pflegen dafür ihre eigene Kotzbrockigkeit). In der Arroganz allerdings steckt eine unerlöste Traurigkeit, die auf Zeichen und Wunder hofft. In diese morosen Umstände platzt nun – kurios inspirierend, familienkrieg- und friedenstiftend – ein geifernder schwarzer Hund, ein Riesenvieh, das gern junge Männer bespringt.

Wir haben also: eine Autorentragi­komödie in den höheren intellektuellen Ständen, die von einem Tier noch was lernen können (Schopenhauer, der hundefreundliche Philosoph, hätte seine Freude). Ein Weniges haben wir auch von einer Beziehungstragödie mit ihren Bitterstoffen (das liegt am gescheiten, ernsthaften, nur diskret ironischen Spiel der Gainsbourg). Vor allem ist «Mon chien Stupide» eines jener literarischen Filmkonstrukte, welche die Eloquenz zelebrieren, vergnüglich und massvoll böse, liebenswürdig und verschwätzt. Und da sitzt man dann und ist gewiss nie psychologisch unterfordert, hat aber genug vom wort­reichen Ganzen, noch bevors aus ist.

Arthouse Movie / Capitol

Erstellt: 13.11.2019, 17:47 Uhr

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