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Love Me Tender

Aus der Mongolei stammt die Geschichte «Öndög» um zwei Liebende und eine Leiche.

Weiss sich zu wehren: Die Hirtin auf ihrem Pferd.
Weiss sich zu wehren: Die Hirtin auf ihrem Pferd.

Weinende Kamele, gelbe Hunde, gezähmte Adler – Filme aus der Mongolei stellen gern Tiere in den Mittelpunkt, irgendwo in grandiosen Land­schaften. In «Öndög» geht es aber ganz um Menschen, obwohl die Hirtin beim nächtlichen Sex mit einem Polizisten noch schnell mit dem Gewehr ein paar Wölfe vertreiben muss, bevor es zum Höhepunkt kommt.

Das ist eine der besten Szenen in «Öndög», dem neuen Film des chinesischen Regisseurs Wang Quan’an. Der hatte 2007 mit «Tuyas Hochzeit» in Berlin einen Goldenen Bären gewonnen und war in dieser Zeit regelmässig an der Berlinale vertreten. In den letzten sieben Jahren hat er nicht mehr gedreht. Jetzt kehrt er mit dem Steppen­film zurück.

In einer Landschaft, wo sich Himmel und Erde ganz nahekommen und das Licht sehr speziell ist, wird ein Toter gefunden. Das ärgert den lokalen Polizeichef, der sich kurz vor der Pensionierung auf eine ruhige Zeit eingestellt hatte. Weil sich die Untersuchungen hinziehen, kommandiert er den Jüngsten seiner Truppe ab, um die Leiche in der kalten Nacht zu bewachen. Der Polizist hält sich zuerst mit einem kuriosen Tanz zu Elvis Presleys «Love Me Tender» warm. Und dann ist da eben noch diese Hirtin, die genau zu wissen scheint, was sie will.

Die erste Stunde spielt konsequent nur im trockenen Grasland und ist grossartig. Der Film könnte dann zu Ende sein, aber es folgt, wohl der Kinolänge geschuldet, noch eine Coda, in der das titelgebende «Öndög» – ein versteinertes Dinosaurier-Ei – vorkommt. Das und eine weitere Sexszene mit Stirnlampen wirken ein wenig gesucht. Aber sie können den Eindruck aus der ersten Stunde nicht schmälern: Das ist die überraschendste Polizei- und Liebesgeschichte der Saison.

Houdini Badenerstr. 173 13.40 Uhr, 18.50 Uhr, 21 Uhrwww.kinohoudini.ch

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