Magd im Glück

Ist das ein Märchen? Nein, der Film «Madame» ist eine bitterböse Analyse der Klassengesellschaft.

Die Almodovar-Schauspielerin Rossy de Palma spielt das Dienstmädchen Maria.

Die Almodovar-Schauspielerin Rossy de Palma spielt das Dienstmädchen Maria.

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«Wir sind nichts als ihre Sklaven», sagt die philippinische Magd, die wie ihre spanische Kollegin Maria (Rossy de Palma) dafür sorgt, dass die Herrschaften sich ungestört um ihre Linie und ihre Liebschaften kümmern können. Maria widerspricht; sie ist verliebt in einen erfolgreichen Kunsthändler – und er in sie. Wahre Liebe sei das, kein Zweifel.

Es geschah, als Anne (Toni Collette) und Bob (Harvey Keitel) Fredericks eine Dinnerparty gaben. Weil eine Dame fehlte, zwang Anne das Dienstmädchen Maria, sich als Freundin der Familie an den Tisch zu setzen. Nicht geplant war, dass Maria mit ihrer Mischung aus Schüchternheit und proletarischer Unbekümmertheit den irischen Dandy David (Michael Smiley) verzaubert und eine Liebesgeschichte wie aus dem Märchen beginnt. Anne ist ausser sich. Und bewegt alle Hebel, um dieser Aschenputtelgeschichte ein schlimmes Ende zu bereiten.

Alles ist Kulisse

Amanda Sthers’ Film könnte im 19. Jahrhundert spielen. Die Inszenierung gibt einem das Gefühl, sich zwischen den Zeiten verirrt zu haben oder ganz und gar in ein Märchen geraten zu sein: Die Gestaltung der Räume, ein mondänes und zugleich abgründiges Helldunkel, erinnert an die Gesellschaftsromane von Henry James, und die Stadt Paris tritt als ihr eigener Mythos auf, als Abfolge von romantischen Kulissen. Tatsächlich ist alles Kulisse: Das Märchen, im ersten Teil des Films so geschickt aufgebaut, entpuppt sich als Gutenachtgeschichte für Reiche – dank dieser können sie beruhigt schlafen, während die Bediensteten ihre Klos putzen.

Doch trotz aller Intrigen blüht die Dienstmagd auf, von der Almodovar-Schauspielerin Rossy de Palma mit Witz und Leidenschaft gespielt. In Marias Glauben an wahre Liebe und an die kitschigen Happy Ends, die den distinguierten Geschmack so sehr beleidigen, flackert ein revolutionärer Funke auf.

In diversen Kinos

Erstellt: 10.12.2017, 09:11 Uhr

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