«Man kann ja googeln»

Der serbische Regisseur Ognjen Glavonic wird wegen seines Films über den Kosovokrieg 1999 stark attackiert.

Während des Kosovokriegs transportiert Vlada (Leon Lucev) eine heikle Ladung.

Während des Kosovokriegs transportiert Vlada (Leon Lucev) eine heikle Ladung.

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Zu Beginn informiert uns eine Texttafel über die Nato-Intervention 1999, als serbische Regierungstruppen gegen albanische Separatisten in Kosovo kämpften. Mehr Informationen erhalten wir nie. Warum?
Weil «The Load» eine Geschichte ist über einen Typen, über einen Tag in seinem neuen Job. Vlada fährt einen Kleinlaster nach Belgrad; wir sehen, was er sieht, spüren, was er spürt. Man hat immer so viele Informationen wie die Hauptfigur. Wer sich für den ­Kontext interessiert, kann ja nach dem Film googeln.

Im Kern geht es um ein Verbrechen. Darüber können wir aber nicht viel sagen, ohne alles zu verraten.
Das Verbrechen war die Grundlage für meinen Dokfilm «Depth Two», für den ich 400 Stunden Zeugenaussagen ausgewertet habe. Ich wollte eigentlich immer einen Spielfilm darüber drehen, aber es war schwierig mit der Finanzierung. Als ich auf Geldsuche war, habe ich gemerkt, dass der Kosovokrieg 1999 für viele Leute schon sehr lange her ist.

Wie steht es um die Mitverantwortung? – keine leichte Frage. Video: YouTube/trigon -film

Was interessiert Sie daran? Sie sind 1985 geboren.
Ich habe erst 2009 erfahren, dass sich diese Tat ereignet hat. Zuerst zweifelte ich daran, weil alle sagten, das sei Propaganda aus dem Westen. Dann begann ich aber, meinen Freunden und meinen Eltern Fragen zu stellen. Niemand wusste Genaueres. Diese mangeln­de Neugier störte mich. Ich habe auch gemerkt, dass Leute, von denen ich dachte, dass sie meine Freunde sind, etwas anderes viel wichtiger finden: den Nationalismus, der tief in ihnen steckt.

Was heisst das?
Der Film wurde attackiert, bevor ihn jemand gesehen hatte. Dabei wissen die Leute, die sich beschweren, ja immer schon alles. Sie wollen nur sicherstellen, dass ich als Verräter gelte.

Xenix
Kanzleiareal
Do 20 Uhr Premiere in Anwesenheit des Hauptdarstellers Leon Lucev
Fr 20.30 Uhr, Sa / So 20.45 Uhr, Mo–Mi 18 Uhr
www.xenix.ch

(Züritipp)

Erstellt: 15.05.2019, 11:37 Uhr

Ognjen Glavonic



Ognjen Glavonic wurde 1985 im heutigen Serbien geboren. Sein Spielfilmdebüt «Teret» ist von hoher Dichte und ­Intensität: Man rumpelt geradezu mit im Laster durchs Kriegsgebiet, die Kamera bleibt stets bei Vlada.

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