König der Blockbuster

Steven Spielberg liebt das klassische Hollywood und taucht gern in fremde Welten ein. Das Xenix widmet ihm eine Retrospektive.

Ehrendoktor der Universität von Harvard ist er auch: Steven Spielberg.

Ehrendoktor der Universität von Harvard ist er auch: Steven Spielberg. Bild: Keystone

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Mit grossen Augen und aufgerissenem Mund steht ein Dreijähriger in «Close Encounters of the Third Kind» am Fenster und blickt fasziniert auf die Lichter des UFO am Himmel. Die Fokussierung auf das Gesicht vermittelt dem Publikum die Emotionalität der Szene. Sie zeigt aber auch Steven Spielbergs eigene kindliche Faszination mit dem Medium, die er an das Publikum weitergeben will: Das Kino soll die Zuschauer zum Staunen bringen.

Spielberg orientiert sich an der Vergangenheit, an den Dreissiger- bis Fünfzigerjahren. Vor allem die Regisseure John Ford («The Searchers») und David Lean («Lawrence of Arabia») haben es ihm angetan. Wie im klassischen Kino bevorzugt er schön komponierte Bilder und zieht selten die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die Kunst des Filmemachens, sondern hilft ihnen in die Filmwelt. Er macht Eskapismusfilme, oft getränkt in Sentimentalität. Diese erzeugt er nicht nur durch die Themenwahl, sondern gern auch mit ebendieser Fokussierung der Kamera auf Gesichter, unterlegt mit pathetischer Musik. Deshalb wird er mitunter Meister der Zuschauermanipulation genannt. Aber bei aller berechtigten Kritik, seine Filme halten, was sie versprechen: eine Flucht aus dem Alltag und das Eintauchen in eine andere Welt. Damit wurde Spielberg, der diesen Dezember 71 wird, zumindest finanziell gesehen, der erfolgreichste Regisseur seiner Generation.

Als Spielberg Ende der Sechzigerjahre seine ersten Schritte machte, brach gerade die Ära des New Hollywood an. Seine Zeitgenossen waren Francis Ford Coppola, Terrence Malick oder John Carpenter. Die meist jungen Regisseure fanden ihre Inspiration in Europa, vor allem in den Filmen der Nouvelle Vague, und sie definierten sich selber als Künstler. Aber während Coppola und Malick diesem Verständnis von Film als Kunst – meistens – treu blieben und Carpenter seine Nische im Genrekino fand, begründete Spielberg die nächste grosse Veränderung in Hollywood: das Blockbusterkino.

«Jaws» (dt. «Der Weisse Hai») war der erste Film, der in den USA 100 Millionen einspielte. Es folgten viele weitere, die Spielberg selber einmal als «fast food movies» bezeichnete, wie die Teile der «Indiana Jones»-Reihe. Zugleich machte er immer wieder anspruchsvollere Filme, die ihm am Herz lagen. Das berühmteste Beispiel hierfür ist das Holocaustdrama «Schindler’s List», aber auch «The Color Purple» gehört dazu, über das harte Leben einer jungen schwarzen Frau (Whoopi Goldberg) zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Für seinen nächsten Film, der bei uns im Februar anläuft, blickt Spielberg ebenfalls in die Vergangenheit zurück: «The Post» handelt davon, wie 1971 die «New York Times» und die «Washington Post» Teile der sogenannten Pentagon-Papiere veröffentlichten – und damit aufdeckten, dass die US-Regierung die Bevölkerung in Bezug auf den Vietnamkrieg belogen hatte.

Highlights der Reihe

Jaws (1974): Ein Weisser Hai terrorisiert einen Badeort; der Sheriff und sein Team machen Jagd auf ihn. Do / Fr / Sa 20.15 Uhr, So 18 Uhr.

The Colour Purple (1985): Diese Emanzipationsgeschichte einer schwarzen Frau basiert auf dem Briefroman von Alice Walker. Ab Do, 7.12.

Close Encounters of the Third Kind (1977): Aliens nehmen Kontakt auf. Der Film läuft erstmals in der digital restaurierten Fassung. Ab Di, 12.12.

Indiana-Jones-Reihe (1981–2008): Am Neujahrstag zeigt das Xenix alle vier Teile der Abenteuerreihe. Mo, 1.1., ab 13 Uhr.

D0 30.11. bis Mi 3.1.
Xenix, Kanzleiareal
www.xenix.ch
(Zueritipp)

Erstellt: 30.11.2017, 11:03 Uhr

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