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«Mir geht es um Besessenheit»

In «Le daim» erzählt der Regisseur Quentin Dupieux die Geschichte eines Mannes, der sich in eine Lederjacke verliebt. Wie kommt man auf so eine Idee?

Steht ihm ganz gut: Der Mann (Jean Dujardin) liebt seine Jacke.
Steht ihm ganz gut: Der Mann (Jean Dujardin) liebt seine Jacke.

Ein Mann kauft eine Jacke, beginnt mit ihr zu sprechen, und sie stellt schliesslich Ansprüche an ihn. Wie kamen Sie auf die verrückte Idee?

Ich finde, die Geschichte mit der Jacke ist gar nicht so wichtig. Ich suchte einfach einen Gegenstand, in den man sich verlieben kann. Aber das könnte genauso gut dieses Glas Wasser sein, das da vor uns steht. Meine Hauptfigur würde in diesem Fall einfach literweise trinken, sässe ständig in der Badewanne. Es wäre derselbe Film. Mir geht es um Besessenheit.

Sie selber sind nicht von Hirschleder besessen?

Nein. Aber ich verarbeite damit ein Kindheitstrauma. Ich hatte tatsächlich eine solche Jacke, mit schönen Fransen. Darin fühlte ich mich stark. Aber dann wurde sie mir geklaut. So habe ich sie mir jetzt, wenigstens als Filmemacher, wiedergeholt.

Der Jackenbesitzer entwickelt sich ja auch zum Regisseur.

Ich weiss, ich weiss. Leider. Ich stelle blöderweise oft Figuren ins Zentrum, die Filme machen, es ist nicht der beste Teil meines Werkes. Wenn andere das tun, langweilt es mich sofort. In «Le daim» ist es aber nur eine Randerscheinung, oder? Ich bessere mich also.

Ich mache ja sonst alles selber: schreiben, drehen, schneiden, produzieren.

Quentin Dupieux

Stimmt es, dass der Film ursprünglich in den USA spielen sollte?

Ja. Ich schrieb ihn, als ich noch in Los Angeles wohnte, für einen amerikanischen Schauspieler. Drehort wäre natürlich die Wüste gewesen, wie in vielen meiner Filme und Musik­videos. In Frankreich habe ich das Drehbuch dann für den Hauptdar­steller Jean Dujardin noch einmal hervor­genommen. Und die Wüste durch die Pyrenäen ersetzt. Es wurde ein anderer Film. Ich hoffe, es ist mir gelungen, ihn etwas tiefgründiger zu machen.

Die Figur, die Adèle Haenel spielt, trägt wesentlich dazu bei.

Ja, sie ist die allererste Frauenfigur in all meinen Filmen, die mir wirklich gelungen ist. Auch dank dem Talent der Schauspielerin.

Wieso haben Sie eigentlich in «Le daim» die Musik nicht selber komponiert?

Ich mache ja sonst alles selber: schreiben, drehen, schneiden, produzieren. In früheren Filmen habe ich tatsächlich auch noch komponiert. Das war gut für die Fans, die mich als Mr. Oizo kennen. Aber ich finde meine eigene Musik zu repetitiv. Darum habe ich auf Klassiker aus den 1970er-Jahren zurück­gegriffen.

Was geschieht jetzt mit der Jacke?

Sie war bei der Filmpremiere da, sie gehört der Produktionsgesellschaft. Wir besitzen nur eine, ich behandle sie wie eine Person. Das war schon beim Casting so: Man sieht doch manchmal einen Schauspieler zur Tür hereinkommen und weiss, dass es der richtige ist, bevor er überhaupt den Mund auftut. Bei der Jacke ging es mir gleich.

Und was ist Ihre ganz persönliche Besessenheit?

Autos. Ich lebte sieben Jahre lang in Los Ange­les und wechselte meinen Wagen in dieser Zeit zwölf Mal. Jetzt besitze ich diesen Range Rover, den ich nach Paris mit zurückgenommen habe. Er ist viel zu gross für die Stadt. Aber er ist rot, und er ist alt. Wunderbar.

Houdini 14.20 Uhr, 16.40 Uhr, 19.10 Uhr, 21.30 Uhr

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