Wo spielt die Musik?

In «Woman at War» kämpft eine Frau mit Pfeil und Bogen gegen Grosskonzerne. Dabei steht das Filmorchester manchmal mitten im Bild.

Die einsame Kämpferin Halla (Halldóra Geirharðsdóttir) wird unterstützt vom Filmorchester.

Die einsame Kämpferin Halla (Halldóra Geirharðsdóttir) wird unterstützt vom Filmorchester.

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Wir kennen das: ein Kuss zum Schluss, ein Sonnenuntergang, ein Orchester, das die Gefühle verstärkt. Schön. Und keiner fragt, wo die Klänge herkommen. Doch, einer tat es, Jean-Luc Godard, der nicht nur stets mit Bildern, sondern auch mit Tönen experimentierte. Er sagte, die Musik sei ein Schauspieler wie jeder andere auch. Deshalb zeigte er in «Prénom Carmen» (1983) ein Streichquartett beim Einspielen der Filmmusik und in «Sauve qui peut (la vie)» (1980) ein ganzes Orchester.

Diesen Gedanken hat der isländische Regisseur Benedikt Erlingsson auf­genommen: In «Woman at War» geht es um eine Kriegerin, die mit Pfeil und Bogen ganz alleine Starkstromleitungen sabotiert und Aluminium-Multis bekämpft. Ganz alleine? Eben nicht. Hinter ihr stehen ein paar Männer auf der Wiese und machen Musik zu den Bildern. Später begleitet auch ein ukrai­nischer Frauenchor das Geschehen.

Die unscheinbare Halla (Halldóra Geirharðsdóttir) führt ein gefährliches Doppelleben. YouTube/Filmcoopi Zürich

Erlingsson kommt vom Theater und hat sich dort inspirieren lassen. «Auf der Bühne sind Musiker normal, im Film wirken sie verwirrend», sagt er. Deshalb kalkuliert er die Verwirrung eben ein, zeigt das Orchester mit seinen archaischen isländischen Instrumenten trotzig immer wieder: da die Schauspielerin, daneben die Begleitung.

Was zuerst wie ein Mätzchen wirkt, funktioniert mit der Zeit prächtig, denn die Musiker beginnen sanft auch in die Filmhandlung einzugreifen: da ein ermunternder Blick für die einsame Kämpferin, dort eine deutliche Aufforderung. Sie werden zu Verbündeten. Nur etwas fehlt. Wenn die Musiker schon mitspielen, könnte die Darstellerin doch auch beim Orchester mit­machen und kräftig auf die Pauke hauen. Dazu kommt es nicht. Aber immer­hin: Als Tarnung für ihr anarchistisches Tun dirigiert sie einen Chor.

In diversen Kinos

(Züritipp)

Erstellt: 03.11.2018, 09:03 Uhr

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