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Objekt der Rassenlehre

«Sami – A Tale of the North» spielt in den schwedischen 30ern. Damals wurde das Volk der Samen vermessen.

Das Mädchen wird von Rassentheoretikern untersucht.
Das Mädchen wird von Rassentheoretikern untersucht.

Für einen Erstlingsfilm, so sagt die Regisseurin Amanda Kernell, gebe es drei bekannte Regeln: Mach keinen Historienfilm (zu teuer), dreh nicht mit Kindern (zu unberechenbar), und dreh nicht mit Tieren (dito). Gleichwohl hat Kernell in ihrem Langfilmdebüt alle drei Regeln gebrochen.

Angesiedelt ist die Geschichte in den 30er-Jahren in Schweden. Das Samen-Mädchen Elle Marja (Cecilia Sparrok), eine angehende Rentierjägerin – deswegen der Dreh mit Tieren –, besucht zusammen mit ihrer jüngeren Schwester ein Internat in Lappland. Als die Schüler sich einmal von Wissenschaftlern vermessen und nackt fotografieren lassen müssen, hält es Elle Marja nicht mehr aus. Sie reisst aus, verleugnet fortan ihre samischen Wurzeln und will Schwedin werden.

Die Szenen der Vermessung sind verstörend und bleiben in Erinnerung. Exemplarisch wird daran die damalige schwedische Rassenlehre erläutert, die später von den Nationalsozialisten übernommen wurde. Manchmal brachial, und zum Glück fast gänzlich ohne verklärende Folklore-Elemente macht Regisseurin Kernell, Tochter eines Samen und einer Schwedin, mit dieser Coming-of-Age-Geschichte eine Liebeserklärung ans Volk der Samen.

Sehenswert macht den Film auch die 14-jährige Cecilia Sparrok. Die Laiendarstellerin spielt mit einer bemerkenswerten Mischung aus Stolz, Härte und Verletzlichkeit. Dass Sparrok tatsächlich Südsamisch kann – die Sprache sprechen nur 500 Personen fliessend – und ihre Filmschwester auch ihre leibliche ist, trägt zur Authentizität bei. Dafür gabs letzten Monat den Lux-Filmpreis des EU-Parlaments. Also: Regelbrüche werden auch bei Debüts manchmal preisgekrönt.

Riffraff, Langstrasse/Neugasse 16.20 Uhr, 18.40 Uhr, Do-Sa/Mo–Mi 21 Uhr, Sa/So 13.10 Uhr

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