Rambo ist ein Mädchen

Krieg spielen in den Bergen Kolumbiens: Der Film «Monos» verbindet stimmungsvoll Drama und Überlebensthriller.

Sieht man im Dunkeln kaum: Der junge Gerillakämpfer in Tarnfarbe.

Sieht man im Dunkeln kaum: Der junge Gerillakämpfer in Tarnfarbe.

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Thriller Was sind Teenager, wenn nicht eine Guerilla­fraktion, die in ihrer eigenen Welt lebt? Regisseur Alejandro Landes macht aus dieser Idee einen Kriegskunstfilm zwischen «Lord of the Flies» und Simon Jaquemets «Chrieg». Auf einer Hochebene Kolumbiens trainiert eine jugendliche Rebellengruppe im Auftrag einer «Organisation» und bewacht eine US-amerikanische Geisel.

Instruiert werden die halbwüchsigen Soldaten von einem «Boten» – gespielt von einem ehemaligen Farc-Kommandanten –, selber tragen die Teenager Kampfnamen wie «Hund» oder «Bum Bum». Die Milchkuh Shakira, auf die sie aufpassen sollen, wird das erste Opfer. Auch die Sache mit der Geisel läuft schief. «Monos» spielt vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in Kolumbien, wo paramilitärische Gruppen immer wieder ausländische Geiseln nahmen, um sich zu finanzieren.

In diesem Film verschimmen Grenzen: Jugendliche Guerillakämpfer in Kolumbien. Video: YouTube/trigon -film

Das Waffenstillstands­abkommen von 2016 sieht vor, dass Guerillatruppen in den Bergen ihre Waffen abgeben, aber «Monos» lässt die politischen Grenzverläufe ganz bewusst im Diffusen: Die Frage, wofür und gegen wen diese Babyface-Krieger kämpfen, verschwimmt im Gebir­gsnebel, selbst der Feind bleibt ein Phantom.

Das Schlachtfeld ist ein Niemandsland, der Terror spielt sich in der jugendlichen Gefühlswelt ab. Diese Rebellen suchen das befreiende Rumballern ebenso wie Drogenerlebnisse und androgynes Begehren – da ist «Monos» ganz von heute, schliesslich ist Rambo hier der Spitzname eines Mädchens.

Mehr als die Natursymbole überzeugen die Thriller-Qualitäten, besonders in jenem Teil, der unten im Dschungel spielt. Da wird «Monos» zum Survival-Game, wo Schlammlawinen herabstürzen und Moskitos ohrenbetäubend summen (Mica Levi schrieb den sinusartigen Panik-Score).

Am meisten überrascht die Lust am visuellen Experiment, das Gespür für Muster und Farben. Alejandro Landes inszeniert das surreal Rauschhafte als Funktion von adoleszenten Kriegsspielen, driftet aber nie zu sehr ab, schliesslich sieht «Monos» noch in den Traumbildern superstylish aus. Nach der Premiere am Sundance-Festival wurde der gebürtige Brasilianer umgehend von einer Talentagentur verpflichtet. Hier spielt er noch, aber bald übernimmt er wohl einen grösseren Hollywoodstoff.

Kosmos
Lagerstr. 104
13.30 Uhr, 18.20 Uhr, 21 Uhr, Fr / Sa 23.15 Uhr
www.kosmos.ch

Erstellt: 21.08.2019, 16:08 Uhr

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