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Reise ins Ich

Als ihr Mann «Apocalypse Now» drehte, war Eleanor Coppola als Dokufilmerin dabei. Nun präsentiert sie ihr Spielfilmdebüt «Paris Can Wait».

Jacques (Arnaud Viard) möchte Anne (Diane Lande) mit Kultur verführen.
Jacques (Arnaud Viard) möchte Anne (Diane Lande) mit Kultur verführen.

Sie hat ein besonderes Auge fürs Detail. Wenn Eleanor Coppola filmt, konzentriert sie sich auf Kleinigkeiten, vermeintlich beiläufige Details, in denen sich dann doch die Essenz der Dinge offenbart. Schön zu sehen war das schon 1991 in ihrem Dokumentarfilm «Hearts of Darkness», der Ehemann Francis Ford bei dessen «Apocalypse Now»-Dreharbeiten zeigt. Nun präsentiert sie ihr Spielfilmdebüt – ein zauberhafter Roadtrip durch Südfrankreich, amouröses Abenteuer, Feier des Lebens und moralische Erzählung à la Eric Rohmer. Beim Prolog in Cannes begegnen wir der eleganten Mittfünfzigerin Anne (Diane Lane), Ehefrau eines Hollywoodproduzenten (Alec Baldwin). Anne langweilt sich, telefoniert ab und zu mit ihrer Tochter und vertreibt sich die Zeit mit Fotografieren. Nach dem Frühstück knipst sie Grossaufnahmen vom Marmeladenklecks an der Messerspitze und vom zerkrümelten Croissant. Als ihr Mann nach Budapest abdüsen muss, soll dessen französischer Compagnon Jacques (Arnaud Viard) sie im Auto nach Paris chauffieren. Gleich zu Beginn des Trips verkündet der supercharmante Jacques: «Paris kann warten», und entführt Anne auf eine Touri­tour der Extraklasse. Picknick im Grünen, Viersternrestaurants und Komplimentattacken. Er zeigt ihr Viadukte aus der Römerzeit und das Musée Lumière in Lyon. Er versucht, die Leidenschaft in ihr hervorzulocken, aber begeht dabei den Fehler massloser Übertreibung. Zu viele Monumente, zu viel Rotwein und Rosen. Anne bleibt auf Distanz. Erst als er ein paar Gänge zurückschaltet, wird das Flirtduell der beiden spannend. Hübsch, wie sich Annes Einschätzung von Jacques fortwährend ändert. Zuerst erscheint er als Klischee-Bonvivant, gewinnt zunehmend aber sanfte, liebenswürdige Züge. Anne gerät in einen Taumel: Wie kann man einer Verführung widerstehen, wenn sich die Welt in ihrer sinnlichen Pracht entfaltet? Immer behält die Erzählung ihre Leichtigkeit, auch wenn die beiden ernstere Themen anschneiden. Bald ist es Anne, die einen Umweg machen will, nach Vézelay, wo sie am Altar der Kathedrale eine Kerze entzündet, im Gedenken an ihr verstorbenes Kind. In ihrem Tagebuch «Notes on the Making of ‹Apocalypse Now›» schreibt Eleanor Coppola von ihrer Bewunderung für Filme, die eine Reise ins Ich sind. «Paris Can Wait» ist eine solche Reise.

In diversen Kinos

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