Ford gegen Ferrari: So gut ist die Balgerei unter Buben

Erfindergeist, Stolz und Intrigen: «Le Mans 66» erzählt von Belastungsgrenzen. Und wir zählen dazu die besten Motorsport-Filme auf.

Der Rennfahrer feiert seinen Sieg: Ken Miles (Christian Bale) bei einem Rennen in den USA.

Der Rennfahrer feiert seinen Sieg: Ken Miles (Christian Bale) bei einem Rennen in den USA.

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Sie sind noch Rennfahrer von altem Schrot und Korn: Der Amerikaner Carroll Shelby (Matt Damon) gewinnt 1959 das prestigeträchtige 24-Stunden-Rennen von Le Mans, wendet sich dann aber wegen Herzproblemen der Kon­struktion von Sportwagen zu. Und Ken Miles (Christian Bale), in den USA wohnhafter Engländer, gilt als unberechenbarer Heisssporn.

Shelby bekommt 1965 den Auftrag, ein Rennauto zu konstruieren, um nach Jahren der Ferrari-Vorherrschaft in Le Mans dem US-Hersteller Ford einen Sieg zu ermöglichen. Das Grossunternehmen will weg von seinem Fami­lienkutschen-Image und mit rennfahrerischem Sex-Appeal bei einer jüngeren Käuferschaft punkten. Das Problem: Shelby holt ausgerechnet Miles als Piloten – und der ist der konservativen Führungsetage bei Ford ein Dorn im Auge.

Der Sieg von Augen: Ford will das schnellste Auto. Video: YouTube/20th Century Fox Switzerland

«Le Mans 66» hat also einigen Zündstoff im Tank, bevor man überhaupt etwas von der französischen Rennstrecke sieht. Und das ist gut so: Regisseur James Mangold («Walk the Line») nutzt den Motorsport nicht als benzingeschwängerte Jubelveranstaltung, sondern als Teststrecke für menschliche Belastungsgrenzen. Es geht um Erfinder- und Sportgeist – und darum, wie der impulsive Miles seine Familie über Wasser hält, nachdem er aus Stolz seine Autowerkstatt in den Ruin getrieben hat.

Da darf auch die sonst wenig geforderte Gattin (Caitriona Balfe) am Steuer mal ausrasten. «Le Mans 66» ist nun aber kein Kampf der Geschlechter, sondern eine Balgerei unter grossen Buben. Man schaut gerne zu, wenn sich Damon und Bale im Vorgärtchen prügeln und dann zusammen eine Cola trinken, denn das Timing zwischen Vollgas und Bremsmanövern stimmt, die Dialoge glühen vor Esprit.

Trotzdem spürt man auch ernsthafte Zwischentöne in dieser recht frei adaptierten Rennsport-Geschichte. Dabei geht es weniger um die Konkurrenz zwischen Ford und Ferrari, sondern um die internen Machtstrukturen beim US-Autohersteller: Da gibts einen Patron (Tracy Letts), der die Firma seines Vaters zum gesichtslosen Megakonzern ausgeweitet hat, wo sich nun egogesteuerte Intriganten auf Kaderpöstchen austoben dürfen. Kein Wunder, dass es Miles einmal entfährt: «Ford hasst Typen wie uns, weil wir anders sind.» Es ist jener Moment, in dem die Sechzigerjahre plötzlich sehr nahe an die Gegenwart heranrücken.

Grand Prix

Drama von John Frankenheimer, USA 1966; 169 min.

Der spektakuläre Formel-1-Film verbindet nachgedrehte Aufnahmen mit dokumenta­rischem Material von mehreren Rennen. Die Handlung dreht sich um fiktive Rennfahrer, aber es gibt zahlreiche Auftritt von echten – dazu gehört auch der Schweizer Jo Siffert.

Jeher faszinierend: Die schnellen Flitzer auf der Rennbahn. Video: YouTube/Warner Bros.

Le Mans

Drama von Lee H. Katzin, USA 1971; 104 min.

Quasi der Grossvater von James Mangolds Film. «Le Mans» war eine Herzensangelegenheit für den Schauspieler Steve McQueen, der ein begeisterter Motorsportfan war und selbst Amateurrennen fuhr. Er spielt einen Amerikaner, der sich beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans mit einem deutschen Konkurrenten (Siegfried Rauch) misst. Auch an diesem Film war Jo Siffert beteiligt – als guter Freund von McQueen fuhr er den Wagen seiner Filmfigur.

Das Rennen von Le Mans: Für viele das Highlight ihrer Karriere. Video: YouTube/HD Retro Trailers

Jo Siffert: Live Fast, Die Young

Dokumentarfilm von Men Lareida, CH 2005; 87 min.

Der Regisseur Men Lareida («Viktoria: A Tale of Grace and Greed») zeichnet den Aufstieg von Jo Siffert nach, dem Rennfahrer aus Freiburg. Er gehörte zu den erfolgreichsten Fahrern der Welt, bevor er 1971 bei einem Rennen in England starb – nur fünf Tage vor der Premiere von «Le Mans».

Schneller Aufstieg: Jo Siffert war bis 1971 der Schnellste. Video: Youtube/hugofilmtrailers

Senna

Dokumentarfilm von Asif Kapadia, GB/Br/F 2010; 106 min.

Das Porträt des brasilianischen Rennfahrers Ayrton Senna bedeutete für Asif Kapadia («Amy», «Diego Maradona») den Durchbruch als Dokumentarfilmer. Auch Senna starb auf der Rennstrecke, 1994 beim Grossen Preis von San Marino.

Bis an die Grenzen und darüber hinaus: Viele Fahrer finden den Tod auf der Rennstrecke. Video: YouTube/Universal Pictures UK

Rush

Biopic von Ron Howard, GB/D 2013; 123 min.

Ein Drama über die Riva­lität zwischen dem Österreicher Niki Lauda (Daniel Brühl) und dem Briten James Hunt (Chris Hemsworth). Einen Grossteil seines Reizes zieht der Film aus den entgegengesetzten Charakteren der beiden Fahrer -- auf der einen Seiten der asketische Lauda, auf der anderen der saufende, feiernde Hunt.

Rivalen im Cockpit: Zwei Rennfahrer im erbitterten Kampf. Video: YouTube/Universal Pictures

Erstellt: 18.11.2019, 18:41 Uhr

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