Romy vs. Romy

Ein Jahr vor ihrem Tod gab Romy Schneider ein freimütiges Interview. Was da vorging, zeigt dieser Film.

Eine fast perfekte Kopie: Marie Bäumer als Romy Schneider.

Eine fast perfekte Kopie: Marie Bäumer als Romy Schneider.

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Wer das Kino und seine Stars liebt, sollte sich diesen Film anschauen. Denn hier tritt es wieder einmal eindrücklich zutage, das seltsame Leben, das Leute im Rampenlicht führen. Wie hält man das ständige Wechselbad von ?Geschmeichelt-, Bedrängt- und Beleidigt­werden aus, ohne egozentrisch, neurotisch oder schlicht krank zu werden? Romy Schneider fehlte die­se Unerschütterlichkeit.

Dabei ist «3 Tage in Quiberon» kein klassisches Biopic; nur wenige Tage im Leben der Schauspielerin werden nachinszeniert. Doch um das Dilemma aller Filme über Berühmtheiten, deren Wesen wir zu kennen glauben, kommt der Film nicht herum. Selbst bei Angleichung bis zum Exzess auferstehen nie die Porträtierten selbst, sondern – bestenfalls – faszinierende Hybride.

Marie Bäumer nun, die Hauptdarstellerin von «3 Tage in Quiberon», gleicht Romy ?Schneider frappant. Allerdings ist sie die deutlich herbere Erscheinung als Romy, die lebenslang auch das anrührend Weiche von Sissi in sich ?behielt, der verhassten Kitschfigur ihrer Anfänge, vor der sie 1959 an der Seite Alain Delons nach Frankreich geflohen war. Auch als gereifte Schauspielerin, etwa in Claude Sautets Siebziger-Melodramen «Les choses de la vie» oder «Max et les ferrailleurs», findet sich jene Mischung von Diva und Kind, die Romy Schneiders Aura ausmachte und unnachahmlich bleibt.

Die Handlung konzentriert sich auf die drei Tage in einem Kurhotel in der Bretagne des Frühjahres 1981, während deren sich die alkohol- und tablettensüchtige Romy einem «Stern»-Reporter und seinem Fotografen stellte. Vor dem Mikrofon und der Kamera packte sie aus, deklinierte nochmals ihre Krämpfe mit dem beleidigten deutschsprachigen Publikum und mit den Männern in ihrem Leben durch, ihre Sorge um die ent­fremdeten Kinder, ihre zunehmende Angst vor der Kamera. Glaubt man dem Film, so gingen rhetorisches Hakenschlagen, Manie und Depression Hand in Hand. Was ausblieb, war nur die Einsicht, dass die Entblössung selbstzerstörerisch, der Rückzug aus dem Blitzlichtgewitter überfällig war.

Dieses melodramatisch geraffte Kondensat eines Lebens geht der Film etwas umständlich an und nimmt dann Fahrt auf: Marie Bäumer meistert die Emotionskurven souverän, Robert Gwisdek als kühl kalkulierendes Reporterekel und Charly Hübner als sein Schmusebär-Fotograf sind ein starkes Bad-Cop-Good-Cop-Gespann, Birgit Minichmayer als Romys Freundin geht an die Grenze des masochistischen Zudienens. Ein Vorbehalt bleibt: Machte die reale Romy wirklich so viel Aufhebens um sich? Begriff sie nicht, dass berühmt und bedeutend sein nicht das Gleiche ist? Bisweilen kommt dieser Verdacht auf und trübt unser Bedürfnis nach echter Grösse der Grossen. (Zueritipp)

Erstellt: 14.04.2018, 11:13 Uhr

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