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Saudisches Symbol der Freiheit

Die Ärztin Maryam (Mira Alzahrani) hat genug und will in die Politik. In Saudiarabien ist das ein Affront.

Hans Jürg Zinsli
Auf in den Wahlkampf: Die Ärztin Maryam.
Auf in den Wahlkampf: Die Ärztin Maryam.

Die Ärztin Maryam (Mira Alzahrani) fährt in einer saudiarabischen Kleinstadt zur Klinik. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Frauen dürfen im konservativen Wüstenstaat erst seit 2018 am Steuer sitzen. Als Maryam aussteigt, traut sie allerdings ihren Augen nicht: Wegen eines Rohrbruchs bleiben Notfallpatienten auf der nicht asphaltierten Zufahrt im Schlamm stecken. Im Spital wird sie von einem älteren Kranken angeherrscht, sie solle die Finger von ihm lassen. Der Patient will von einem Arzt oder zur Not von einem Pfleger untersucht zu werden – Hauptsache ein Mann.

«The Perfect Candidate» bringt den Zustand dieses Landes gleichnisartig auf den Punkt: Es geht nur zäh vorwärts. Dass die saudische Regisseurin Haifaa al-Mansour ein Gespür für die Darstellung gesellschaftlicher Missstände hat, bewies sie bereits in ihrem Debüt «Wadjda» (2012), dem ersten saudischen Spielfilm. Da erzählte sie von einem zehnjährigen Mädchen, das ein Fahrrad haben will, und fing damit das Auf- und Ausbruchsbedürfnis einer ganzen Generation ein.

In «The Perfect Candidate» ist es nun die junge Ärztin, die zur Symbolfigur wird. Halb aus Trotz, halb aus Zufall beschliesst Maryam, für den Gemeinderat zu kandidieren. Weil aber der verwitwete Vater gerade mit seiner Band auf Tournee weilt, müssen Maryams Schwestern bei der Wahlkampagne mit anpacken – wobei sich die Jüngste berechtigterweise vor einer weiteren Ausgrenzung fürchtet.

So sieht man in diesen Figuren zweierlei: das Wiederaufblühen einer fast verloren gegangenen Kultur, aber auch das Misstrauen und die Angst vor einem menschenfeindlichen System. Regisseurin Mansour bringt diese Welten auf etwas vorhersehbare, aber bildstarke Art zusammen.

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