«Sie ist eine Killerin, ich mag sie»

In «Greta» spielt Isabelle Huppert eine Sadistin mit der Fassade einer schrulligen Dame. Und sagt im Interview, das sei ganz einfach gewesen.

Noch ist Greta (Isabelle Huppert, r.) nett zu Frances (Chloë Grace Moretz).

Noch ist Greta (Isabelle Huppert, r.) nett zu Frances (Chloë Grace Moretz).

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Waren Sie schon einmal so böse wie in «Greta»?
Nein. Als ich das Drehbuch erstmals las, dachte ich: Das ist wirklich ein Monster. Ich habe schon einige Personen gespielt, die so bezeichnet wurden, aber damit war ich nie einverstanden. Hier bin ich es.

Greta geht weiter als alle andern.
Es gibt nichts Gutes an dieser Frau. Und doch ist da einiges, was sie liebenswert macht. Ihre Einsamkeit, die Musik, die sie liebt, die Grossstadt, die ihr Leben kompliziert macht. Aber sie ist eine Killerin. Punkt. Ich mag sie.

Tatsächlich?
Die Figur, ja. Die Person natürlich nicht. Die Stärke des Films ist, dass man sich wirklich nicht vorstellen kann, zu was sie fähig ist. Man denkt, vielleicht ist alles nur ein Missverständnis. Aber nein. Sie tötet ja nicht nur. Sie macht das auf ­spezielle, schreckliche Art. Es tut mir leid. (lacht)

«Uff, hätte ich das nicht sagen dürfen?»Isabelle Huppert

Sie ist aber auch witzig.
Ja, als wir in Dublin drehten, sah ich zu­fälligerweise die alte Stephen-King-Verfilmung «Misery» in einem Reprisenkino, mit Kathy Bates. Sie ist grossartig darin, und ich habe sie mir ganz heimlich zum Vorbild genommen: Eine Mörderin muss, jedenfalls gegen aussen, keine verbitterte, verhärmte Frau sein.
Moment mal, Sie filmten diesen New-York-Film in Irland?
Uff, hätte ich das nicht sagen dürfen? Es stimmt, die Innenaufnahmen entstanden in der Heimat von Regisseur Neil Jordan. Die Aussenaufnahmen wurden in Toronto gedreht. All das zusammen ergab dann New York. Eine Frage der Kosten.

Isabelle Huppert spielt eine gestörte Killerin: «Greta». Video: YouTube/AscotElite

Normalerweise spielen eher Männer solche Killer.
Das war ausschlaggebend für mich. Es ist ja ein Film über drei Frauen, jede ist auf ihre Art stark. Die Männer haben nicht viel zu bestellen. Sonst sind sie bald mausetot.

«Vielleicht bin ich etwas naiv, aber ich habe einfach Freude daran, in die Tiefen des menschlichen Seins vorzudringen.»Isabelle Huppert

Es gibt eine fantastische Szene, in der Sie lächelnd und selbstvergessen durchs Zimmer tanzen, bevor Sie morden.
Mochten Sie die? Sie ist sehr speziell. Wir haben verschiedene Dinge ausprobiert, letztlich wurde die extremste Variante genommen. Beim Spielen habe ich gedacht, es könnte doch des Guten zu viel sein. Aber die Aussage ist klar: Je schrecklicher der Film ist, desto fröhlicher wirkt Greta.

Sie werden, weil Sie solche Rollen spielen, gerne als furchtlos beschrieben. Sind Sie das?
Ich verstehe schon, wieso die Leute das sagen, denn ich habe tatsächlich keine Angst, sogenannte gewagte Rollen zu spielen wie in «Elle» oder «La pianiste». Aber eigentlich ist das ein grosses Missverständnis.

Inwiefern?
Was heisst schon Furcht? Vielleicht bin ich etwas naiv, aber ich habe einfach Freude daran, in die Tiefen des menschlichen Seins vorzudringen. Es ist ja nicht wirklich gefährlich, eine Mörderin zu spielen. Im Gegenteil, das geht ganz leicht. Da muss ich viel weniger von mir selber offenbaren als in einer Liebesgeschichte.

Erstellt: 08.05.2019, 13:36 Uhr

Greta

Von Neil Jordan, IRL/USA 2018; 98 min.

Die Kellnerin Frances findet in der New Yorker U-Bahn eine Handtasche. Sie bringt sie der Besitzerin zurück, die sich als eine nette Dame namens Greta entpuppt. Diese ist etwas einsam, aber Frances, die gerade ihre Mutter verloren hat, leistet ­
ihr gerne Gesellschaft. Doch dann wird Greta sehr aufdringlich. Isabelle Huppert gibt mit Hochgenuss eine Frau, wie sie ­grausamer nicht sein könnte. Ihr Opfer spielt die Amerikanerin Chloë Grace Moretz, und die neue Scream-Queen ­Maika Monroe mischt ebenfalls mit. Altmeister Neil Jordan («The Crying Game») führt Regie, sein Krimi ist Hochglanz und Trash auf einmal, spannend und zum Schreien komisch. Wobei das Schreien manchmal durchaus wörtlich zu verstehen ist. (ml)

In diversen Kinos

Artikel zum Thema

«Jede Schauspielerin, die das Gegenteil behauptet, lügt»

Interview Isabelle Huppert über Oscar-Ambitionen, das Vertrauen in «Elle»-Regisseur Paul Verhoeven und eine dressierte Katze. Mehr...

«Glücklich sein ist auch nicht immer das Ziel»

Interview Die Französin Isabelle Huppert ist am Filmfestival Locarno mit dem «Excellence Award Moët & Chandon» ausgezeichnet worden für ihre brillante Karriere, die mit einem Schweizer Regisseur den Anfang nahm. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Auf Händen getragen: Eine handgeschnitzte Statue der Jungfrau Maria wird anlässlich des Fests zu Ehren der «Virgen del Carmen» durch die andalusische Stadt Málaga geführt. (16. Juli 2019)
(Bild: Daniel Perez/Getty Images) Mehr...