Sie nehmen sich, was sie wollen

Internet-Dating und Wildschweinjagd: Der Film «Les dames» aus der Romandie zeigt, wie Frauen über 60 leben.

Sie haben Zeit, das Leben zu geniessen: eine der Protagonistinnen in «Les dames».

Sie haben Zeit, das Leben zu geniessen: eine der Protagonistinnen in «Les dames».

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Frauen im Pensionsalter füllen die Konzertsäle, die Literaturhäuser und Theater, sie wandern, tanzen, engagieren sich für andere und arbeiten sich in neue Wissenswelten ein. Und doch hört man immer wieder, sie seien unsichtbar. Vor allem für die Augen der Männer, die sich lieber an die jungen Frauen halten.

Doch allmählich nehmen die älteren Damen in Filmen und Büchern den Raum ein, der ihnen gebührt – etwa in der TV-Serie «Grace and Frankie» oder in den Erzählungen der Zürcher Autorin Isolde Schaad. Einen ebenso vergnügten wie melancholischen Beitrag zur Entdeckung dieser Generation von Frauen leisten die beiden Waadtländer Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Raymond in ihrem Dokumentarfilm «Les dames».

Odile auf der Jagd, Carmen auf dem Berggipfel

Sie begleiten fünf alleinstehende Frauen zwischen 63 und 75 Jahren, alle aus der Romandie, über längere Zeit in ihrem Alltag. Marion, Odile, Pierrette, Carmen und Noëlle haben sehr unterschiedliche Leben; die einen sind verwitwet, andere geschieden oder single. Doch alle gehören einer Generation an, für die weibliche Unabhängigkeit keine Selbstverständlichkeit ist.

Kein bisschen lebensmüde: «Led dames». Video: YouTube/Agora Films

So zurückhaltend und empathisch wie der Film gemacht ist, gibt er uns das Gefühl, das Leben der fünf für einige Zeit zu teilen. Den Damen fällt immer etwas ein, sie sind witzig und schlagfertig. Wir sehen sie zu Hause, beim Tanzen und beim Shoppen; folgen Noëlle an den Strand, Odile auf die Wildschweinjagd und Carmen auf einen Berggipfel. Wir amüsieren uns zusammen mit Marion, wenn sie ihr Profil auf einer Datingplattform erstellt und sich über die Plattitüden der Herren mokiert.

Träume und Begehren

Mit beeindruckender Offenheit erzählen die einen von der Umstellung, die es bedeutet hat, ein Leben allein anzunehmen – mit seinen Freiheiten, aber auch mit der Einsamkeit, die sie manchmal zu ersticken droht.

Sie erzählen auch von ihren Träumen, ihrem Begehren. Vielleicht wartet noch eine Liebe auf sie? Oder vielleicht doch besser eine Freundschaft? Die Sorge, dass sich eine Liebesbeziehung als Gefängnis erweisen könnte, ist immer da. Aber wenn die Liebe plötzlich kommt, wie am Ende bei Marion, dann ist es doch wunderbar.

Houdini / Movie

Erstellt: 10.04.2019, 14:04 Uhr

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