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Sie will ein Kind

Natascha Bellers Regiedebüt «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» handelt von der Torschlusspanik von Ü-30ern.

Noch kann sie trinken: Leila (Michèle Rohrbach) will schwanger werden.
Noch kann sie trinken: Leila (Michèle Rohrbach) will schwanger werden.

Auch wenn man es nach der Lektüre dessen, was man in den Medien zum Thema Mutterschaft und Berufstätigkeit findet, kaum glauben mag: Es ist als Frau durchaus machbar, kein Kind und trotzdem keine Karriere zu haben. Auch Leila (Michèle Rohrbach), seit acht Jahren liiert und Verkäuferin in einem Babywaren­geschäft, hat das bisher problemlos hin­gekriegt. Doch dann erfährt sie bei der Hochzeit ihrer Schwester Amanda (Sarah Hostettler) von deren Schwangerschaft und schwört sich, noch vor ihrem 35. Geburtstag ebenfalls in anderen Umständen zu sein.

Bis dahin sind es aber nur noch einige Wochen. Und einen passenden Vater muss sie auch noch finden, denn als sie ihren Freund mit ihrem Kinder­wunsch konfrontiert, verdünnisiert er sich prompt.

Eine Tischbombe als Initialzündung

Natascha Beller zufolge war eine explo­dierende Tischbombe, derentwegen sie ihren 30. Geburtstag in der Notaufnahme verbringen musste, die Initialzündung des Films: Immer, wenn sie davon erzählte, schilderten ihr andere ihre Ü-30-Horrorgeschichten. Daraus wurde ihr Regiedebüt, das die Erfahrungen und Erwartungen bündelt, denen Frauen über 30 begegnen.

Als Demonstrationsobjekt dient neben der torschluss­panischen Leila und ihrer Schwester, die lieber im Beruf als in der Mutterrolle aufgeht, Leilas alleinerziehende Freundin Sophie (Anne Haug). Ihnen zuzusehen, ist oft sehr lustig, denn Beller, die auch am Drehbuch mitschrieb und den Film produzierte, zeichnet ihre Protagonistinnen ohne Angst vor Peinlichkeit. Da pikst Leila schon mal Löcher in Kondome oder macht sich im Entenkostüm zum Affen.

Mit rasantem Tempo, sketchartiger Struktur und grotesken Einfällen wie der Radiostimme, die das Geschehen kommentiert («Verkehrsinfo: Ein Geschlechts­verkehr fand nicht statt, die Dating-Situation ist weiter stockend») schlägt die TV-Comedy-erprobte Autorin («Deville Late Night») einen in der schweizerischen Komödienlandschaft ungewohnten Ton an.

Dass manche Gags platt sind und der Plot dünn, gehört halt zur Natur solch rabau­kiger Komik. Dafür folgen sich die Pointen rasch und treffen oft ins Schwarze. Welch treffenderes Bild für den gnadenlosen Ü-30-Beziehungsmarkt kann man finden als den Mann, der in dem Moment, in dem er Leilas Alter erfährt, davonzischt wie ein Ballon, aus dem die Luft entweicht?

Houdini/Kosmos

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