So abstrus ist die X-Men-Reihe

Paralleluniversen und Zeitreisen: Die Chronologie der X-Men-Filme ist verwirrend. Wir schlüsseln auf.

Gefährliche Energiewolke: Jean Grey (Sophie Turner, r.) wird zu Phoenix.

Gefährliche Energiewolke: Jean Grey (Sophie Turner, r.) wird zu Phoenix.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In den X-Men-Filmen waren die Mutan­ten stets das Hassobjekt der normalen Menschen. In «Dark Phoenix», dem neuen, bereits zwölften Teil der Reihe, hat sich das end­lich geän­dert. Wir schreiben das Jahr 1992: Nachdem die X-Men im letzten Film den Supermutanten Apocalypse besiegt haben, werden sie auf der ganzen Welt als Helden verehrt. Ihr Anführer Charles Xavier (James McAvoy) hat sogar einen direkten Draht zum US-Präsidenten. Und so ruft ihn dieser persönlich an, als ein Spaceshuttle von einer Sonneneruption getroffen wird. Xavier schickt seine besten Leute zur Rettung.

Im Weltraum stellt sich heraus, dass es sich bei der angeblichen Sonneneruption um eine mysteriöse Energie­wolke handelt. Jean Grey (Sophie Turner), die mit Gedanken die Umwelt beeinflussen kann, gerät in eben diese Wolke und saugt sie ungewollt in sich auf. Danach werden ihre Kräfte stärker und stärker, bis sie die Kontrolle verliert: Sie wird zum gefähr­lichen Überwesen Phoenix. Es kommt zu Zwischenfällen mit Toten, und schon hasst die Menschheit die Mutan­ten wieder.

Verwirrendes Spiel mit dem Zeitverlauf

Eigentlich kennt man die Geschichte ja: Bereits in «X2» (2003) und «The Last Stand» (2006) ging es darum, dass sich Jean Grey (damals noch von Famke Janssen gespielt) in Phoenix verwandelt – allerdings unter völlig anderen Umständen. Das liegt daran, dass in der aktuellen Chronologie der Reihe die Ereignisse von damals gar nie passiert sind. Oder, genauer gesagt, gar nie passieren werden. Dafür sorgte die Zeitreise in «Days of Future Past» (2014).

Dieses Spiel mit dem Zeitverlauf mag etwas verwirrend sein, und dabei ist die innere Logik der Filme eh schon äusserst fragwürdig. Aber es sind gerade auch solche Schrägheiten, die die Abenteuer der X-Men so unterhaltsam machen.


Die ultimative X-Men-Liste

X-MenVon Bryan Singer, USA 2000; 104 min.

Als die Schülerin Rogue (Anna Paquin) merkt, dass sie eine Mutantin ist, läuft sie von zu Hause weg. In Kanada trifft sie auf Wolverine (Hugh Jackman) und schliesslich auf die X-Men unter der Führung von Professor X (Patrick Stewart). Zusammen bekämpfen sie den bösen Magneto (Ian McKellen) und seine Bruderschaft der Mutanten. Dass heute Superheldenfilme das Kino dominieren, ist diesem Überraschungshit zu verdanken: Noch vor «Spider-Man» (2002), «Batman Begins» (2005) oder «Iron Man» (2008) begründete der Erfolg von «X-Men» den Trend – und machte Hugh Jackman zum Weltstar.

Der Beginn der Reihe: «X-Men». Video: YouTube/MovieStation

X2Von Bryan Singer, USA 2003; 134 min.

Nachdem Nightcrawler (Alan Cumming) ein Attentat auf den US-Präsidenten verübt hat, greift das Militär die X-Men unter dem Kommando von Colonel William Stryker (Brian Cox) an. Stryker, den eine lange Geschichte mit Wolverine verbindet, will alle Mutanten töten – um das zu verhindern, spannen die X-Men sogar mit Magneto zusammen.

Die X-Men finden neue Verbündete: «X2». Video: YouTube/20th Century Fox

X-Men: The Last StandVon Brett Ratner, USA 2006; 104 min.

Eine Firma entwickelt ein Medikament, das Mutanten von ihrer Genveränderung heilen kann. Magneto ist fest entschlossen, das Mittel zu bekämpfen. Derweil stellt sich heraus, dass Jean Grey (Famke Janssen), die im letzten Teil für tot erklärt wurde, noch lebt – und dass sie an einer gespaltenen Persönlichkeit litt. Nun hat sich Phoenix, ihre andere Persönlichkeit, befreit. Diese ist extrem mächtig, aber auch extrem tödlich.

Wenn Tote plötzlich doch noch leben: «X-Men: The Last Stand». Video: YouTube/x-menfilms.com

X-Men Origins: WolverineVon Gavin Hood, USA 2009; 107 min.

Nach dem Abschluss der ersten Trilogie plante das Studio 20th Century Fox, in mehreren Filmen die Ursprünge verschiedener Mutanten zu behandeln. Nach den schlechten Kritiken, die «X-Men Origins: Wolverine» einfuhr, wurde das Vorhaben allerdings fallengelassen. Der Film beginnt im 19. Jahrhundert und zeigt, wie die Halbbrüder Logan (Hugh Jackman) und Victor (Liev Schreiber) – später Wolverine und Sabretooth – ihre Selbstheilungskräfte entdecken: Sie überleben alle Verletzungen und altern kaum. So nehmen sie an mehreren Kriegen teil, bis sie schliesslich in Vietnam von Major William Stryker (Danny Houston) rekrutiert werden. Als Victor zum brutalen Mörder wird, lässt sich Logan seine Knochen mit dem Metall Adamantium verstärken, um ihn besiegen zu können. Am Ende verbünden sich die zerstrittenen Brüder im Kampf gegen Strykers Geheimwaffe Deadpool (Ryan Reynolds).

Sollte der Beginn einer Trilogie werden: «X-Men Origins: Wolverine». Video: YouTube/20th Century Fox

X-Men: First ClassVon Matthew Vaughn, USA 2011; 131 min.

Eine Art Neustart der Serie: «First Class» erklärt, wie sich Professor X (James McAvoy), Mystique (Jennifer Lawrence) und Magneto (Michael Fassbender) im Jahre 1962 kennen lernen – und wie sie gemeinsam einen bösen Mutanten (Kevin Bacon) daran hindern, einen Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion auszulösen. Am Ende gründet Professor X die X-Men, während Magneto seine Bruderschaft der Mutanten ins Leben ruft.

Neustart: «X-Men: First Class». Video: YouTube/X-Men Movies

The WolverineVon James Mangold, USA 2013; 126 min.

Zurück in die Gegenwart: Nach den Ereignissen in «The Last Stand» hat sich Wolverine in die Wälder zurückgezogen, denn er leidet darunter, dass er Jean Grey töten musste. Da erhält er die Einladung eines alten Japaners, dessen Leben er einst während des Atombombenabwurfs auf Nagasaki rettete. Der Alte liegt im Sterben, will aber vor dem Ende seine Schuld begleichen. Wolverine wird jedoch das Ziel einer Verschwörung – Hintermänner haben es auf sein Blut und dessen Heilfähigkeiten abgesehen.

Zurück in die Gegenwart: «The Wolverine». Video: YouTube/20th Century Fox

X-Men: Days of Future PastVon Bryan Singer, USA 2014; 132 min.

Im Jahr 2023 haben unbesiegbare Roboter, sogenannte Sentinels, fast alle Mutanten vernichtet. Professor X und Magneto schicken Wolverine zurück ins Jahr 1973, indem sie eine Mutantin seinen Geist in sein jüngeres Ich verpflanzen lassen. Dort soll er mit dem jungen Professor X und dem jungen Magneto zusammenarbeiten und verhindern, dass Mystique den Wissenschaftler Bolivar Trask (Peter Dinklage) umbringt -- was zum Durchbruch des Sentinel-Programms führen würde. Wolverines Zeitreise macht alle Ereignisse der vorherigen X-Men-Filme nichtig, abgesehen von «First Class» und Teilen von «X-Men Origins: Wolverine».

Und wieder in die Zukunft: «X-Men: Days of Future Past». Video: YouTube/X-Men Movies

DeadpoolVon Tim Miller, USA 2016; 108 min.

Der Söldner Wade Wilson (Ryan Reynolds) hat gerade der Prostituierten Vanessa (Morena Baccarin) einen Heiratsantrag gemacht, da wird bei ihm Krebs im Endstadium prognostiziert. Er macht bei einem Experiment mit, das ihm zwar Selbstheilungskräfte verschafft und die Krankheit besiegt, Wade aber auch schwer entstellt. Er maskiert sich, nennt sich Deadpool und will den Leiter des Experiments dazu zwingen, ihm sein altes Äusseres zurückzugeben. Ryan Reynolds, der auch Produzent war, arbeitete mehr als zehn Jahre an einer Verfilmung der «Deadpool»-Comics. Das Ergebnis wurde – bei einem verhältnismässig bescheidenem Budget – zum erfolgreichsten aller X-Men-Filme. Dabei hatte sich 20th Century Fox lange Zeit Sorgen gemacht aufgrund des hohen Grades an Gewalt und Obszönitäten, zudem ist Deadpool ein äusserst unkonventioneller Held: Er ist sich bewusst, eine Filmfigur zu sein, und macht sich gnadenlos über Superheldenfilme lustig – unter anderem nimmt er die oft kritisierte Darstellung von Deadpool in «X-Men Origins: Wolverine» aufs Korn. Von daher auch die Frage: Ist «Deadpool» überhaupt Teil der offiziellen Chronologie? Oder spielt der Film in einem komödiantischen Paralleluniversum? Das bleibt offen.

Der Erfolgreichste: «Deadpool». Video: YouTube/20th Century Fox

X-Men: ApocalypseVon Bryan Singer, USA 2016; 142 min.

1983 in Kairo: Eine Sekte öffnet das Grab des uralten Mutanten Apocalypse (Oscar Isaac), der einst im alten Ägypten als Gott über die Menschen herrschte. Das will er nun wieder tun. Dazu rekrutiert er mächtige Mutanten wie Magneto. Und er will die Kräfte von Professor X an sich reissen, um sämtliche Mutanten und Menschen geistig kontrollieren zu können. Der Film hat so grandiose Szenen wie jene, in der Apocalypse das gesamte Wissen der modernen Welt aus einem alten Fernsehgerät saugt. In einer Nebenhandlung befreien die X-Men Wolverine aus der Basis von William Stryker (Josh Helman), in dessen Händen er am Ende von «Days of Future Past» gelandet war.

Wieder in der Vergangenheit: «X-Men: Apocalypse». Video: YouTube/20th Century Fox

LoganVon James Mangold, USA 2017; 137 min.

Das Jahr 2029 in einem alternativen Zeitverlauf: Es gibt kaum noch Mutanten, neue werden schon lange keine mehr geboren. Logan, der einstige Wolverine, kümmert sich in der texanischen Wüste um den dementen Professor X und arbeitet als Chauffeur. Eines Tages soll er das Mädchen Laura (Dafne Keen) in den Norden fahren. Die Kleine hat unglaublicherweise Mutantenkräfte – und wird von mächtigen Leuten verfolgt. Irgendwo zwischen Roadmovie und Western angelegt, ist «Logan» ein melancholischer Abgesang auf das Superheldengenre und ein würdiger Abschied Hugh Jackmans von seiner Paraderolle. Der beste aller X-Men-Filme.

Melancholisch: «Logan». Video: YouTube/20th Century Fox

Deadpool 2Von David Leitch, USA 2018; 119 min.

Nachdem Vanessa ermordet wird, schliesst sich der gebrochene Deadpool den X-Men an und wird zu einem schwierigen Fall gerufen: In einem Waisenhaus randaliert ein junger Mutant (Julian Dennison) mit Feuerkräften. Der Fall wird noch verzwickter, als Cable (Josh Brolin), ein Mutant mit Maschinenteilen, aus der Zukunft in die Gegenwart reist, um den Bub zu töten – denn in Zukunft wird aus diesem ein mörderischer Tyrann.

Nach dem Tod von Vanessa: «Deadpool 2». Video: YouTube/20th Century Fox

X-Men: Dark PhoenixVon Simon Kinberg, USA 2019; 103 min.

Im Jahr 1992: Bei einer Rettungsmission im Weltraum stossen die X-Men auf eine seltsame Sonneneruption. Jean Grey (Sophie Turner) wird davon getroffen und beginnt sich zu verändern. Ihre Kräfte werden immer stärker, bis sie die Kontrolle darüber verliert. Die Chronologie der X-Men-Reihe wird schräger und schräger – Jean Greys Verwandlung in das Überwesen Phoenix war schon das Thema von «X2» und «The Last Stand», damals halt unter völlig anderen Vorzeichen – und seit «Days of Future Past» sind die Ereignisse dieser Filme gar nie passiert.

Zurück in den Neunzigern: «X-Men: Dark Phoenix». Video: YouTube/20th Century Fox

The New MutantsVon Josh Boone, USA 2020; TBA

Fünf junge Mutanten, die eben erst ihre Kräfte entdecken, werden in einer mysteriösen Einrichtung gefangen gehalten. Ursprünglich hätte dieser X-Men-Film mit Horror-Elementen bereits 2018 ins Kino kommen sollen, wurde aber wegen Nachdrehs zurückgehalten. Aktuell ist der Filmstart für den April 2020 angekündigt. Nachdem 20th Century Fox von Disney gekauft wurde, wird «The New Mutants» der – vorerste – letzte X-Men-Film sein.

Es wird der Letzte sein: «The New Mutants». Video: YouTube/20th Century Fox

Erstellt: 11.06.2019, 16:00 Uhr

Artikel zum Thema

Menschliches und Übermenschliches

Wie werden Superhelden definiert? Welche Rolle spielten antike Mythen für Supermans Schöpfer? Diese und viele andere Fragen beantwortet ein Reader, der das Genre umfassend vorstellt. Mehr...

Das läuft diese Woche neu in den Kinos

Die X-Men sind zurück und zwei Freunde machen einen etwas anderen Roadtrip: Das und mehr ist aktuell zu sehen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Blogs

Mamablog Wenn Kinder sich selbst im Weg stehen

Sweet Home Die neue Moderne

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...