So funktioniert der neue Zürcher Kulturhotspot

Am Wochenende geht in der Europaallee das Kosmos auf. Kino, Lesungen, Party und noch mehr solls geben. Die wichtigsten Fragen zum neuen «Greater Arthouse».

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Wieso braucht Zürich noch einmal sechs Kinosäle mehr?
Es sind nicht einfach sechs Säle mehr, sondern es geht um das Ganze, das integrale Konzept von Gastronomie, Veranstaltung, Buch und Kino. Ein Ort, wo man nebst der Verköstigung, einem schönen Ambiente, literarischen Inputs und Veranstaltungen auch einfach gute Filme erleben kann.

Sie bezeichnen Ihr Kinoprogramm als «Greater Arthouse». Was werden Sie nicht zeigen, weil es zu kommerziell ist? Was läuft nur bei Ihnen?
Wir möchten uns da nicht künstlich beschränken und bestimmte Filme generell ausschliessen. Wir werden den Fokus auf Qualitätsfilme legen, ganz unabhängig von ihrer Herkunft. Kleinere Nischenfilme zu brennenden Themen werden genauso Platz auf unseren Leinwänden finden wie kommerziellere Filme, die uns überzeugen. Ausschlaggebend ist in diesem Sinne nicht das Label, sondern ob ein Film zu uns passt und ob wir das Gefühl haben, dass ihn ein breites, kulturaffines Publikum sehen möchte.

Zeigen Sie synchronisierte Kopien?
Nur bei Kindervorstellungen.

Kommt der nächste «Star Wars» bei Ihnen?
Ja, und dies zudem in Dolby Atmos, der neuen Surround-Soundtechnik, die in Zürich nur in zwei Kinosälen verfügbar ist. Einer davon ist unser grosser Premierensaal.

Wieso beginnen Sie mit den Kinovorstellungen bereits vormittags?
Weil wir Teilzeitbeschäftigten, Rentnern und anderen zeitlich flexiblen Zürchern die Möglichkeit bieten wollen, sich bereits am Morgen Filme im Kino anzuschauen – und vor allem, weil Kosmos ein Ganztagesbetrieb ist.

Bringen Sie auch Reprisen?
Wir haben entschieden, uns vorläufig nur auf aktuelle Filme zu konzentrieren und keine Reprisen zu zeigen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel: In der Eröffnungswoche zeigen wir zum Beispiel neben den regulären Filmstarts eine kuratierte Selektion von Lieblingsfilmen des Kosmos-Teams.

Machen Sie dem Riffraff und dem Houdini Konkurrenz? Oder stimmen Sie sich mit diesen beiden Kinos ab?
Eine offene Kommunikation ist von unserer Seite sehr erwünscht. Zudem verstehen wir uns nicht primär als Konkurrenten, sondern möchten gemeinsam mit dem Riffraff zu einem noch stärkeren Kinoquartier beitragen wie auch zu einer Kinoszene, die sich gegenseitig bereichert und belebt – ähnlich wie dies mit dem Houdini und dem Uto Kino geschehen ist. Und wie sagt man so treffend: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Wie viel kostet ein reguläres Kinoticket?
19 Franken.

Welche Kulturveranstaltungen, ausser Kino, bieten Sie noch an?
Wir haben Veranstaltungen rund ums Thema Literatur im Programm: klassische Lesungen, aber auch neue Formate wie unsere Reihe «Read My Lips», in der Monika Schärer und Bruno Deckert mit Gästen und dem Publikum literarische Themen und Formen diskutieren und beleuchten. Unsere Montagsreihe Kosmopolitics behandelt mit unterschiedlichen Hosts wie zum Beispiel dem Project R gesellschaftspolitische Themen. Dazu kommen Veranstaltungen mit und über Musik, Gespräche mit unserem «Scientist in Residence». Architektonisch und inhaltlich bildet das Forum den Mittelpunkt von Kosmos, hier kommt zusammen, was das ganze Haus auszeichnet: eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Themen zu sein.

Sie veranstalten auch Lesungen. Wie positionieren Sie sich zum Kaufleuten, zum Literaturhaus? Mit Jurczok 1001 gibts ja schon die erste Doppelung mit dem Kaufleuten.
Das Kosmos hat im Buchsalon seine hauseigene Buchhandlung. Somit machen Veranstaltungen, die sich um Bücher und Literatur drehen, Sinn. Mit dem Kaufleuten und dem Literaturhaus stehen wir im Austausch. Die Doppelung von Jurczok 1001 ist eine Ausnahme, die Veranstaltung findet im Rahmen von «Zürich liest» statt.

Arbeiten Sie noch mit anderen Kinos oder Kulturhäusern zusammen?
Im Rahmen von Kosmopolitics arbeiten wir mit unterschiedlichen Hosts (Geschichte der Gegenwart, Netzwerk entresol, Hochparterre u.a.). Weiter gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Übersetzerhaus Looren. Im Rahmen des Formats «Unübersetzbar Werkstattgespräche mit Literatur-ÜbersetzerInnen» versuchen sich Profis gemeinsam mit dem Publikum an vermeintlich unübersetzbaren Textstellen. Im Dezember findet das «Human Rights Film Festival Zurich» im Riffraff und bei uns statt, im Mai 2018 beherbergen wir das Iranian Filmfestival. Weitere Kooperationen sind aufgegleist oder in Planung.

Zum Bistro: Was steht nur bei euch auf der Karte?
Schnecken sind sicherlich eine Besonderheit. Allerdings gibts die Tiere nicht ab der ersten Woche, sondern erst ab etwa Mitte September – die Schneckenpfännchen sind noch nicht eingetroffen. Die französische Bistroküche bildet eine Richtschnur, der gastromische Kosmos ist jedoch ein grösserer. Zudem können wir uns vorstellen, im Zusammenhang mit Veranstaltungen oder Festivals entsprechende Menüs auf die Karte zu setzen. Eine koreanische Woche während eines koreanischen Filmfestivals? Möglich wärs.

Was kostet ein Kaffee im Buchsalon?
4.50 Franken. Zu erwähnen ist auch: Im Bistro erhalten unsere Gäste über die Bartheke einen Espresso für 3 Franken.

Sie planen Partys in der Lounge. Hat es an der Europaallee überhaupt Platz für ein ausschweifendes Nachtleben?
Das Kosmos sieht sich nicht in erster Linie als Partylocation und steht auf keinen Fall in Konkurrenz zu Clubs wie Zukunft, Gonzo oder Kauz. Aber ja, es gibt einen clubähnlichen Bar­bereich. Natürlich wird es immer wieder die Möglichkeit geben zu tanzen. Livemusik ist angedacht, Details sind allerdings noch nicht spruchreif.

Was bieten Sie für Kinder?
Am Eröffnungssamstag gibt es ein Spezialprogramm für Kinder – Märchenlesung, Bastelaktion, Raketenseifenkiste. Und um 15 Uhr wird der Film «Das letzte Einhorn» kostenlos gezeigt. Am Sonntag, dem Tag des Kinos, findet eine Vorpremiere von «Bigfoot Junior» statt. Auch im regulären Programm werden regelmässig Kinderfilme gezeigt. Im Gegensatz zum restlichen Programm gibt es da dann eine deutsche Synchronfassung und eine zehnminütige Pause. Ganz generell: Kinder sind herzlich willkommen. Am 28. Oktober findet zum Beispiel eine Kinderlesung mit unserem «Scientist in Residence» Ben Moore statt. Und: Im Buchsalon gibt es eine geheime Kammer zu entdecken

Der HB ist nahe, nebenan ist das 25 Hours Hotel. Wie gross soll Ihr Einzugsgebiet sein?
Aufgrund unseres Standortes ist das Einzugsgebiet – neben dem Quartier und der Stadt – die sogenannte Greater Zurich Area.

Wie gehen Sie mit dem Image der Europaallee um? Wertet Kosmos-Teilhaber Samir die Europaallee auf, oder schädigt die Europaallee den Ruf des politisch links stehenden Regisseurs?
Das Kosmos wertet die Europaallee sicher auf. Was die Europaallee und unser Projekt für das Quartier bedeuten, werden wir in unserer ersten Kosmopolitics-Veranstaltung am kommenden Montag öffentlich debattieren.

Ihr PR-Text «Ein Tag im Kosmos» hat Ihnen einiges an Spott eingebracht. Waren Sie von den Reaktionen überrascht?
Wir erinnern uns nur an denjenigen von Pascal Blum im «Tages-Anzeiger». War da mehr? Blums Kolumne fanden wir ganz lustig. Wir lachen durchaus auch über uns selbst, und das nicht selten. Das war übrigens kein PR-Text, sondern ein Text aus einer Investorenbroschüre. Das Ganze ist inzwischen quasi ausfinanziert, über mehrheitlich private, kulturaffine Geldgeber, die an dieses integrale Konzept glauben.

Eröffnungswoche Sa 2. bis Fr 8.9., jeweils ab 14 Uhr. Lagerstrasse 104, 8004 Zürich. www.kosmos.ch


Die Fragen wurden schriftlich per Mail von der Presseabteilung des Kosmos beantwortet. (Zueritipp)

Erstellt: 30.08.2017, 13:08 Uhr

Die erste Woche

Am Samstag öffnet das Kosmos erstmals seine Türen und bietet dazu ein Spezialprogramm in allen Räumen. Neben den regulären Filmstarts gibts in der ersten Woche die Lieblingsfilme des Kosmos-?Teams zu sehen; weitere Filmspecials laufen am Sonntag, dem Tag des Kinos. Am Montag um 20 Uhr findet die erste Kosmopolitics-Diskussion statt; das Thema lautet «Kosmos: Feigenblatt der Gentrifizierung?».

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