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Ticks, Tricks und Jazz

Edward Norton spielt in «Motherless Brooklyn» einen Detektiv, schrieb das Drehbuch und führte Regie. Wir sagen, was der Film taugt, und werfen einen Blick auf Nortons Karriere.

Der Detektiv (Edward Norton, r.) und die Aktivistin (Gugu Mbatha-Raw): Sie spüren einer Verschwörung nach.
Der Detektiv (Edward Norton, r.) und die Aktivistin (Gugu Mbatha-Raw): Sie spüren einer Verschwörung nach.

Unauffälligkeit gehört zu den wichtigsten Eigenschaften eines er­folg­reichen Detektivs. Es trifft sich also gar nicht gut, dass Lionel Essrog am Tourettesyndrom leidet. Zu den Symptomen dieser Erkrankung des Nervensystems gehören nämlich körperliche Ticks sowie das zwanghafte Hervorstossen von Wörtern, unsinnigen oder obszönen. Vorteile hat Lionels Erkrankung allerdings auch: Er kann sich Dinge, die andere sagen, Wort für Wort merken.

Erfunden hat diese Figur der amerikanische Autor Jonathan Lethem für seinen 1999 erschienenen Krimi «Motherless Brooklyn». Der gefiel dem Schauspieler Edward Norton so gut, dass er ihn zu verfilmen beschloss. Allerdings wollte er die Handlung aus der Gegenwart in die Fünfzigerjahre zurückverlegen – und einen anderen Plot, als Lethem ihn sich ausgedacht hatte. Zu Nortons Erstaunen liess sich der Autor auf diese Umkrempelung ein.

Norton schrieb nicht nur das Drehbuch und übernahm die Hauptrolle, sondern er führte auch Regie. Der atmosphärisch dichte Film spielt nun im Jahr 1957: Frank Minna (Bruce Willis), Leiter einer Privatdetektei, trifft sich mit einigen Finster­lingen. Zwei seiner Detektive, darunter Lionel, sollen sich zu seinem Schutz bereithalten. Doch nach einer fulminanten Verfolgungsjagd stirbt Frank im Beisein Lionels, der sich die letzten Worte seines väterlichen Freunds einprägt und nun herausfinden will, warum dieser sterben musste.

Nortons Darstellung von Lionel macht wieder einmal klar, warum er einer der ­besten Schauspieler seiner Generation ist. In einer umwerfenden Szene stellt Lionel in einem Nachtclub fest, dass sein Tourettesyndrom dem Singen von hektischem Jazz förderlich ist, ganz und gar nicht aber dem Tanzen eines Slows. Entscheidend mitbeteiligt sind dabei Gugu Mbatha-Raw als Tochter des Nachtclubbesitzers, die zudem eine politische Aktivistin ist, und Michael Kenneth Williams (der Darsteller von Omar in der Serie «The Wire») als Trompeter.

Überhaupt ist die Besetzung her­vorragend: Willem Dafoe spielt einen Paranoiker. Und Alec Baldwin nutzt seine Fähig­keiten als Trump-Imitator, um Moses Randolph zu verkörpern, einen Mann, der hässliche Slums wegrasiert, um schöne Parks und Brücken zu bauen. «Motherless Brooklyn» macht deutlich, dass Slum­bewohner das vielleicht ein bisschen anders empfinden als Penthousebewohner mit Blick auf den Central Park.

Edward Nortons wichtigste Filme

Primal Fear

Von Gregory Hoblit, USA 1996; 125 min.

Norton war ein völlig unbekannter Theaterschauspieler, als er für dieses Gerichtsdrama besetzt wurde -- seine erste Filmrolle überhaupt. Er spielt einen Messdiener, der wegen Mordes an einem Bischof angeklagt ist. Ein Anwalt (Richard Gere) versucht ihn freizubekommen, indem er beweist, dass der junge Mann eine gespaltene Persönlichkeit hat. Norton wurde unter anderem für einen Oscar nominiert und war mit einem Schlag ein berühmter Charakterdarsteller. (ggs)

American History X

Von Tony Kaye, USA 1998; 114 min.

Eine Oscarnominierung brachte ihm auch dieser Film ein: Ein Neonazi (Edward Norton) kommt nach dem Mord an zwei Schwarzen ins Gefängnis, wo bei ihm ein Umdenken einsetzt. Nach der Entlassung versucht er, seinen kleinen Bruder von seiner rechtsradikalen Gang wegzuholen. In der Postproduktion arbeitete Norton am Filmschnitt mit, wobei er sich heftig mit Regisseur Tony Kaye überwarf und in der Folge den Ruf erhielt, ein schwieriger Schauspieler zu sein. (ggs)

Fight Club

Von David Fincher, USA 1999; 139 min.

Ein Durchschnittsangestellter (Edward Norton) lernt einen Seifenverkäufer (Brad Pitt) kennen und gründet mit ihm einen Club, in dem sich frustrierte Männer gegenseitig verprügeln. Das dürfte bis heute Nortons wichtigster Auftritt sein. «Fight Club» läuft demnächst in einer Reprise im Filmpodium: Freitag 20.12., 18.15 Uhr. (ggs)

Keeping the Faith

Von Edward Norton, USA 2000; 128 min.

Ein katholischer Priester (Edward Norton) und ein Rabbi (Ben Stiller) verlieben sich in dieselbe Frau (Jenna Elfman). Im Grunde ist das einfach eine harmlose Liebeskomödie -- allerdings war das der erste Film, bei dem Norton auch Regie führte. Er feierte damit einen Achtungserfolg, dennoch übernahm er erst jetzt bei «Motherless Brooklyn» wieder den Regiestuhl. (ggs)

The Incredible Hulk

Von Louis Leterrier, USA 2008; 112 min.

Nach «Iron Man» der zweite Film des Marvel Cinematic Universe: Nach einem missglückten Experiment verwandelt sich ein Wissenschaftler jeweils in einen gigantischen grünen Koloss, wenn er wütend wird. Norton stieg im Anschluss wieder aus dem Marveluniversum aus -- weshalb genau, ist nicht ganz klar, aber es scheint, dass er schlicht mehr Mitspracherecht forderte, als das Studio ihm geben wollte. So hatte er, wie bei vielen seiner Filme, am Drehbuch mitgeschrieben; Marvel warf am Ende allerdings die meisten seiner Szenen raus. War ursprünglich vorgesehen, dass Norton den Hulk auch in «Avengers» spielen würde, so übernahm stattdessen Mark Ruffalo die Rolle. (ggs)

Birdman

Von Alejandro González Iñárritu, USA 2014; 119 min.

Ein ehemaliger Superheldendarsteller (Michael Keaton) will als Theaterschauspieler am Broadway durchstarten. Unter anderem kommt ihm sein selbstherrlicher Co-Star dazwischen -- mit dieser Figur nimmt Edward Norton nicht zuletzt sich selbst auf die Schippe. Die Rivalität zwischen den beiden gehört zu den lustigsten Elementen dieser Satire auf die Unterhaltungsindustrie und den gehobenen Kunstbetrieb. (ggs)

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