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«Umbringen werden sie mich nicht»

Der Regisseur Grímur Hákonarson feierte schon grosse Erfolge. Uns hat er Fragen zu seinem neusten Film beantwortet.

Matthias Lerf
Sein Filmstil kommt an: Der isländische Regisseur präsentiert einen neuen Film.
Sein Filmstil kommt an: Der isländische Regisseur präsentiert einen neuen Film.

In «Rams» ging es um Schafe. Wieso jetzt Kühe?

Ich bin ein Opportunist und nehme, was kommt. Im Ernst: Meine Grosseltern hatten einen Bauernhof, auf dem ich viel Zeit verbrachte. Darum weiss ich, was dort los ist, nicht nur mit den Tieren, sondern auch mit den Menschen.

Hauptdarstellerin Arndís Hrönn Egilsdóttir ist als Bäuerin sehr gut. Stammt auch sie auch von einem Hof?

Im Gegenteil, die hat vorher noch nie eine Mist­gabel aus der Nähe gesehen. Sie ist eine bekannte Theaterschauspielerin. Meine grösste Herausforderung war, sie zu überzeugen, dass sie zum Beispiel ein Kalb auf die Welt bringen kann.

Die Bäuerin führt einen einsamen Kampf gegen eine landwirtschaftliche Kooperative. Beruht die Geschichte auf wahren Begebenheiten?

Oh ja, in diesem Teil von Island ist die Kooperative noch sehr stark. Diese Leute hatten natürlich keine Freude am Film. Umbringen werden sie mich nicht: Wir Isländer sind ein friedliebendes Volk, es gibt kaum Waffen auf der Insel. Aber Freunde werden wir wohl auch nicht mehr.

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Der isländische Regisseur Grímur Hákonarson (43) feierte grosse Erfolge mit «Rams», einem schrägen Drama um Schafzüchter. «The County» handelt nun von einer Bäuerin, die sich gegen eine mächtige Bauernkooperative zur Wehr setzt.

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Wieso sind isländische Filme international so erfolgreich?

Wir sind ja schon traditionell gute Geschichtenerzähler. Jetzt gibt es tatsächlich eine neue Generation von Filmschaffenden. Geld, um Filme zu drehen, ist zwar immer zu wenig da, aber das schweisst uns auch zusammen. Wir können zum Beispiel keine professionellen Skript-Doktoren bezahlen. Manche sagen, das sei unser Glück; diese machen die Drehbücher vielleicht kommerzieller, aber ganz sicher auch stromlinienförmiger. Doch so bleiben uns Ecken und Kanten.

Drehen Sie jetzt den nächsten Film mit Schweinen?

Ganz sicher nicht. Ich will doch nicht der bäuerliche Ken Loach aus Island werden. Mein neues Projekt spielt ausschliesslich in der Stadt.

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The County

Drama von Grímur Hákonarson, Isl 2019; 92 min

Nach dem Unfalltod ihres Mannes ist Bäuerin Inga (Arndís Hrönn Egilsdóttir) gezwungen, den Hof mit vielen Kühen alleine zu führen. Sie übernimmt die Aufgaben, ohne viel zu murren. Aber als ihr die Männer von der Kooperative das Leben schwer machen, selbstverständlich immer unter dem Vorwand der Hilfe, zettelt sie eine kleine Rebellion an.

Der Regisseur des schrägen Schaffilms «Rams» präsentiert eine weitere Geschichte aus dem bäuerlichen Island. Die Figuren und auch die Erzählweise sind in diesem Fall aber viel pragmatischer. «The County» mangelt es etwas an jener Originalität, welche die isländischen Filme in der Regel so speziell macht. Aber die grossartige Theaterschauspielerin Arndís Hrönn Egilsdóttir als Bäuerin macht vieles wieder wett. (ml)

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Kosmos Lagerstr. 104 13.40 Uhr, 18.15 Uhr, 20.50 Uhr Kurztipp siehe «Filme nach Alphabet»www.kosmos.ch

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