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Die Frau und der Krieg

In «Go Home» kehrt eine Frau in den Libanon zurück, wo einst ihre Familie lebte – bis der Bürgerkrieg ausbrach. Welche Rolle spielte damals ihr Grossvater?

Nada spürt ihrer Vergangenheit nach. Das läuft nicht ohne Konflikte ab.
Nada spürt ihrer Vergangenheit nach. Das läuft nicht ohne Konflikte ab.

Verwüstet und etwas verloren steht das Haus auf einer kleinen Anhöhe in dem libanesischen Dorf. Ähnlich einem Gerippe. Nada (Golshifteh Farahani) kehrt in dieses Haus ihrer Familie zurück, aus dem sie der Bürgerkrieg der Siebziger und Achtziger vertrieben hat. Inzwischen haben im Garten fremde Leute ihren Unrat hinterlassen. Die Wände sind mit obszönen Graffiti verschmiert, und am Boden klebt etwas, das Blut sein könnte.

Nada putzt und mistet aus und versucht dabei an eine Vergangenheit anzuknüpfen, zu der sie die Verbindung vor Jahren verloren hat. Nadas Kindheitserinnerungen drehen sich nicht nur um ihre Abenteuer mit dem kleinen Bruder, sondern immer auch um die Frage, was mit dem verschwundenen Grossvater passiert ist. Und je länger Nada in dem Haus verweilt, um so weniger kann sie ihrem eigenen Gedächtnis trauen. War der Grossvater gut, und wurde er von seinen Feinden verschleppt? Oder war er selbst ein Verbrecher im Bürgerkrieg und ist geflüchtet?

Aufgewachsen ist die französisch-libanesische Regisseurin Jihane Chouaib in Mexiko, nachdem ihre eigene Familie 1976 aus Beirut flüchtete. Für ihr Studium kam Chouaib nach Frankreich und lebt nun dort. «Die Berge von Abfall im Garten, die Nada versucht zu entsorgen, sind wie Deckel, die auf den Erinnerungen an den Krieg platziert wurden», erzählt Chouaib. «Ich wollte dieser kollektiven Amnesie der Libanesen entgegentreten.» Der Film adressiert dieses Trauma mit ruhigen, oft metaphorischen Bildern. Egal, wie oft Nada die Wände putzt und den Boden schrubbt oder den Garten von Unrat befreit, sie bleibt fremd in diesem Dorf und bei diesen Leuten. Niemand will ihr dabei helfen, herauszufinden, was mit dem Grossvater geschah.

«In diesem Land verschwanden während des Kriegs 17'000 Menschen, die wie Geister umherwandeln. Es ist unmöglich, um sie zu trauern. Deshalb sucht Nada nach dem Leichnam des Grossvaters unter dem Gerümpel.» Chouaib geht nicht nur auf die Auswirkungen ein, die ein Krieg auf die Psyche eines Landes hat. Sie zeigt auch, was der Bürgerkrieg mit den Leuten macht, die geflüchtet sind und jetzt zurückkehren: Sie erleben Entfremdung und die Aussichtslosigkeit, im Ursprungsland wieder ein Gefühl der Heimat herzustellen. Auch sie werden zu wandelnden Geistern, denen Chouaib hiermit ein Denkmal gesetzt hat.

Kosmos, Europaallee/Langstrasse www.kosmos.ch 13.45 Uhr, 18.30 Uhr, 20.45 Uhr

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