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Bürgerkrieg wegen eines Abflussrohrs?

Ein Nachbarschaftsstreit in Beirut führt in «The Insult» beinahe zu einem Bürgerkrieg.

Der Libanese Tony (l.) verklagt den Palästinenser Yasser.
Der Libanese Tony (l.) verklagt den Palästinenser Yasser.

Wenn in Europa Nachbarn einander wegen einer zu hoch gewachsenen Hecke verklagen, bleibt es beim Zwist zwischen Kleinkarierten. In Beirut hingegen könnte so ein Streit einen Bürgerkrieg provozieren. So zeigt es der libanesische Regisseur Ziad Doueiri in «The Insult»: Der Libanese Tony (Adel Karam) zerstört das Abflussrohr an seinem Balkon, nachdem der palästinensische Bauarbeiter Yasser (Kamel El Basha) dieses unaufgefordert, aber regelkonform montiert hat. «Du Arsch», sagt Yasser zu Tony, Tony zerrt Yasser vor Gericht und provoziert noch weiter: «Ich wünschte, Sharon hätte euch alle ausgelöscht!», zischt er, woraufhin Yasser zuschlägt und Tony ein paar ­Rippen bricht. Durch die Recherchen und Plädoyers der Anwälte der beiden Beleidigten vor Gericht wird deutlich, worum es bei diesem Streit eigentlich geht: Der Libanesische Bürgerkrieg ist seit 1990 vorbei, aber der Hass zwischen den Völkern lebt in den Köpfen weiter.

«The Insult» ist etwas linkisch erzählt, aber dennoch eine spannende Lektion in Geschichte und ebenso eine Analyse der Gefahr von Machismo gepaart mit Rassismus. Dafür gabs an den letzten Oscars eine Nomination für den besten fremdsprachigen Film. Die Geschichte beruht auf einem Streit, den Regisseur Doueiri einst mit einem Klempner hatte. Seine damalige Frau Joëlle Touma – Co-Autorin des Films – drängte ihn dazu, sich zu entschuldigen. «Frauen sind intelligenter und sehen die Dinge differenzierter», sagte Doueiri in einem Interview. Entsprechend gäbe es im Film, wenn es nach den Frauen ginge, keinen Grund zum Streit: «Gekränkte Leute mögen sich selbst nicht», sagt Shirine (Rita Hayek) zu ihrem Ehemann Tony. «Was war zuerst? Der Arsch oder der Abfluss?», fragt Yassers Frau Manal (Christine Choueiri) und gibt ihm mit einem Blick zu verstehen: «Hab dich nicht so.» Aber für die Männer wäre es ein Zeichen der Schwäche, einander zu vergeben.

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