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Sie wird verfolgt wegen eines Kreuzes

In «God Exists, Her Name Is Petrunya» gerät eine junge Frau mit der mazedonischen Männergesellschaft in Konflikt.

Sie gibt das Kreuz nicht mehr her: Petrunya (Zorica Nusheva) mit dem ergatterten Objekt.
Sie gibt das Kreuz nicht mehr her: Petrunya (Zorica Nusheva) mit dem ergatterten Objekt.

Das Bewerbungsgespräch ist eine Zumutung: Warum solle er eine 31-jährige Historikerin, die noch nie gearbeitet habe und bei ihren Eltern wohne, an­stellen, fragt der potenzielle Arbeitgeber. Und mit Blick auf ­Petrunyas üppige Figur: «Dich würde ich nicht einmal ficken.»

Auf dem Heimweg gerät sie in eine Dreikönigs­prozession: Dabei wirft der Pope ein Holzkreuz ins eiskalte Wasser. Wer es erhascht, so die Legende, wird ein Jahr lang Glück haben. Ohne zu überlegen, springt Petrunya in ihrem geliehenen Kleid hinein und schnappt das Kreuz – zur grossen Empörung der vor Testosteron strotzenden jungen Männer, die es nicht geschafft haben. Eine junge Frau filmt die Szene mit ihrem Handy und stellt sie ins Netz.

Das Video bekommt viele Likes. Doch Petrunyas Mutter will sie wegen Gotteslästerung verstossen, denn an dem Zeremoniell dürfen nur Männer teilnehmen. Und der Pope will das Kreuz zurückhaben, das Petrunya mitgenommen hat. Der Polizeichef macht ihm klar, dass er nichts machen könne, es sei denn, der Pope klage wegen Diebstahls. Das aber wäre Lüge, und davor schreckt der Geistliche zurück.

Zuweilen gerät die auf einer wahren Geschichte beruhende Satire der Mazedonierin Teona Strugar Mitevska etwas plump: Wenn wir längst begriffen haben, wie mittelalterlich die Männergesellschaft Mazedoniens ist, wird uns das noch einmal mit dem Holzhammer eingebläut. Aber die Bilder von Kamerafrau Virginie Saint Martin sind grossartig, sie rückt den Figuren dicht auf den Leib, ja zeigt öfter eigentliche Gesichts- und Körperlandschaften. Und die Hauptdarstellerin Zorica Nusheva ist in jeder Beziehung eine Wucht.

Houdini/Kosmos

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