Wo das Alte zugrunde geht

Für «Suburbicon» hat George Clooney ein Drehbuch der Coen-Brüder verfilmt, das dreissig Jahre auf Halde lag. War das wirklich eine gute Idee?

Die heile 50er-Jahre-Welt dieses Ehepaars (Matt Damon, Julianne Moore) bricht zusammen.

Die heile 50er-Jahre-Welt dieses Ehepaars (Matt Damon, Julianne Moore) bricht zusammen.

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Manche Filmstoffe altern nicht besonders gut, das liegt vielleicht an ihrer zeitgebundenen Kunstnatur. Zum Beispiel hat man das Drehbuch zu «Suburbicon», einem Mord- und Mörderspiel in einer vergifteten Idylle, fast dreissig Jahre herumliegen lassen. Wenn etwas so lang liegt, dann lagert sich der Staub der Geschichte und der wechselnden Moden darauf ab. Zwar darf man unter dem Staub dramatische Qualität und komödiantische Möglichkeit vermuten, wenn das Buch von den Gebrüdern Joel und Ethan Coen stammt, und so ist es schon verständlich, dass es George Clooney – Mitstreiter, Partner, Fan und Freund der Coens – reizte, das Ganze aufzufrischen.

Aber was da zum Vorschein kam, war scheints mehr eine Fingerübung aus den coenschen Anfangszeiten: ein etwas beliebiger 80er-Jahre-Thriller über eine ermordete Frau, ihren Mann, ihre Schwester und den Dreck, den Durchschnittsameri­kaner am Stecken haben.

Darauf lastete natürlich bereits die Erinnerung an Meisterwerke, an «Miller’s Crossing» (1990), «Barton Fink» (1991), «Fargo» (1996) und «No Country for Old Men» (2007), unter anderem. Also eine schwere ästhetische und erzählerische Bürde. Clooney und sein Co-Autor Grant Heslov haben die Vorlage nun mehr als nur entstaubt. Es drängte sie offenbar zu mehr historischem Bewusstsein unter den aktuellen amerikanischen Umständen. «Suburbi­con» spielt jetzt in den 50er-Jahren, in einer der damals am Reissbrett entworfenen, gepützelten Vorstädte, wo das kreuzbrave weisse Amerika sich wohlfühlt.

Es genügt dann aber der Zuzug einer afroamerikanischen Familie, damit die Bravheit in hysterischen Rassismus umschlägt. Und dieser stets vorhandene Geschichtshintergrund ist grossartig und kaltblütig inszeniert.

Aber der Vordergrund, Gott behüte! Durchsichtiger und absehbarer kann man ein Familiendrama von einigen Morden und einem Kind, das einer engen Welt auf die schmutzigsten Geheimnisse kommt, ­wirklich nicht erzählen. Man könnte sagen: Dieser Film tut genau das, was einem Kritiker, wenns ihm passiert, immer vorgeworfen und nachgetragen wird. Er spoilert sich dauernd selbst. (Zueritipp)

Erstellt: 08.11.2017, 15:20 Uhr

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