Vom Game-Held zum Filmstar

«Sonic the Hedgehog» ist die Verfilmung einer Videospielreihe. Meist scheitert Hollywood an Games – auch diesmal?

Der ausserirdische Igel: Sonic schlittert über den Highway.

Der ausserirdische Igel: Sonic schlittert über den Highway.

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«Sonic the Hedgehog» war eine Zangengeburt. Als im vergangenen April der erste Trailer erschien, waren die Fans entsetzt: Die Cartoonfigur aus den Videospielen war als computeranimiertes Wesen in eine reale Umgebung versetzt worden – und sah dabei auf gruselige Art menschlich aus. Die Reak­tionen waren derart negativ, dass das Filmstudio den Kino­start um einige Monate verschob und die Spezialeffekte überarbeiten liess.

Die Unterschiede: Alter und neuer Igel im Vergleich. Video: YouTube/IGN

Sonics Aussehen orientiert sich nun stärker an der cartoonesken Vorlage; kein Monster mehr, sondern das sympathische Maskottchen, als das Sonic eigentlich gedacht ist. Besonders gut ist «Sonic the Hedgehog» trotzdem nicht: In den Games rast Sonic durch Science-­Fiction-Welten und erlebt schräge Abenteuer. Der Film ist ein einfallsloser «E. T.»-­Abklatsch mit dem rasenden Igel als Ausserirdischer.

Misslungene Game-Verfilmungen haben eine lange Tradition. 1993 kam die erste ins Kino: «Super Mario Bros.». Der kleine Klempner Mario ist so etwas wie die Mickymaus der Videospielewelt, entsprechend gross war der Film angekündigt, floppte dann aber auf der ganzen Linie – sowohl bei der Kritik als auch an den Kinokassen. Die wirre Story dreht sich um ein Paralleluniversum, in dem sich die Menschheit nicht aus Primaten, sondern aus Dinosauriern entwickelt hat. Mit den Spielen hat das nichts zu tun, aber offensichtlich damit, dass das Studio sich an den Erfolg von «Jurassic Park» ranhängen wollte. Die Fans von «Mario» haben das nie verziehen.

Super Mario Bros. von Rocky Morton und Annabel Jankel. Video: YouTube/Olivier Baghdadi

Hollywood hat dennoch immer wieder Games verfilmt. Immerhin sind diese ein riesiger Markt mit einem ent­sprechenden Kundenstamm. Seit längerem spielen Games mehr Geld ein als Kinofilme – letztes Jahr bereits dreimal so viel: ­gerundet weltweit 120 zu 40 Milliarden. Und über die Zeit ist dabei doch die eine oder andere gute Adaption heraus­gekommen.

«Doom» (2005) zum Beispiel ist ein unterhaltsamer Horror­film, in dem Soldaten auf dem Mars Dämonen abknallen. «Wreck-It Ralph» nebst Fortsetzung erweist einer ganzen Reihe von Spielen die Ehre – auch Sonic hat in beiden Teilen Cameo-Auftritte. Schliesslich bewies «Detective Pikachu» letztes Jahr, dass ­Pokémons durchaus für einen Film noir taugen.

Tron von Steven Lisberger. Video: YouTube/POINDEXTER

Der beste Videospielfilm bleibt aber «Tron» (1982). Zwar basiert der nicht direkt auf einem Game und ist damit keine Verfilmung – aber er setzt Gamelogik in eine Filmhandlung um: Ein Programmierer (Jeff Bridges) wird in einen Computer ein­gespeist, wo er mit tödlichen Frisbees gegen leben­dige Programme kämpft und sich Motor­radrennen liefert. Die Mischung aus ­Neonästhetik und CGI ist noch immer beeindruckend; 2010 gabs mit «Tron: Legacy» ein würdiges Update.


Sonic the Hedgehog

Game-Verfilmung von Jeff Fowler, USA 2020; 99 Min.

In den Wäldern rund um eine amerikanische Kleinstadt versteckt sich ein Wesen aus einer anderen Welt: Es ist der intelligente Igel Sonic (Stimme: Ben Schwartz). Als die Regierung auf ihn aufmerksam wird und ihm den bösen Dr. Robotnik (Jim Carrey) auf den Hals hetzt, braucht der Igel Hilfe. Er findet sie beim Dorfsheriff (James Marsden); mit dem Auto flüchten sie vor Robotniks Drohnen. Seit 1991 erlebt Sonic in einer Vielzahl von Video­spielen Abenteuer in schrägen Welten voller seltsamer Figuren. Im Kinofilm ist davon kaum etwas zu sehen – lang­weiliger hätte man die Vorlage kaum umsetzen können. Immerhin gibts ein paar gute Witze, und Jim Carrey ist als Bösewicht ziemlich unterhaltsam. (ggs)

In diversen Kinos

Erstellt: 15.02.2020, 09:18 Uhr

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