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Von Rettern und Tätern

Die jüdischen Filmtage Yesh! finden zum sechsten Mal statt. Hier sind unsere Highlights.

Redaktion Kino
«93Queen»: Rachel Freier kämpft für einen rein weiblichen Rettungsdienst.
«93Queen»: Rachel Freier kämpft für einen rein weiblichen Rettungsdienst.

93Queen

Dokumentarfilm von Paula Eiselt, USA 2018; 90 min.

Für die ultraorthodoxen Juden in Brooklyn gibts einen eigenen Rettungsdienst -- bei dem allerdings nur Männer arbeiten dürfen. Die Anwältin Rachel Freier findet das inakzeptabel, denn was ist, wenn sich eine Frau lieber von Frauen behandeln lassen will? So gründet Freier eine rein weibliche Rettungstruppe. Damit provoziert sie die konservative Glaubensgemeinschaft.

Regisseurin Paula Eiselt trägt in der Inszenierung manchmal etwas dick auf, dabei ist die Geschichte wahrlich spannend genug. Man muss Rachel Freier allein schon dafür bewundern, wie souverän sie mit dem teils unfassbar kindischen Verhalten der Männer umgeht. Dabei ist sie durchaus eine zwiespältige Heldin: Zwar kämpft sie für einen weiblichen Rettungsdienst, aber sie ist doch eine strenggläubige Jüdin, die Feminismus für säkularen Unsinn hält. (ggs)

Do 14.20 Uhr; Sa 12.20 Uhr; So 14 Uhr, anschl. Skype-Gespräch mit Regisseurin; Di 14.20 Uhr; Mi 14.40 Uhr Houdini

Ask Dr. Ruth

Dokumentarfilm von Ryan White, USA 2019; 100 min.

Ihre Sexberatungen hatten Kultstatus, weil sie kein Blatt vor den Mund nahm: Ruth Westheimer alias Dr. Ruth klärte in den 80ern die US-Bürger über Erektionsstörungen, Orgasmen und Vibratoren auf. Nun, mit 91 Jahren, lässt sie sich von einem Kamerateam an die prägenden Orte ihrer Vergangenheit begleiten. So fand die deutsche Jüdin während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht in der Schweiz oder liess sich mit 17 in Palästina zur Scharfschützin ausbilden.

Der Regisseur fokussiert auf den ungestümen Charakter dieser 1,40 Meter grossen Abenteurerin, deren Lebensmut kein Schicksalsschlag brechen konnte. Das ist überraschend heiter, manchmal sehr berührend, vor allem aber eine grossartige Lektion darin, wie man zufrieden alt werden kann. (lm)

Fr 13.3., 14.50 Uhr, Sa 14.3., 14.30 Uhr, Di 17.3., 14.10 Uhr, Houdini

Incitement

Thriller von Yaron Zilberman, Isr 2019; 123 min.

Am 4. November 1995 wird der israelische Premierminister Jitzchak Rabin erschossen. Dieser Spielfilm hält sich konsequent an die Perspektive des Attentäters Jigal Amir (Yehuda Nahari Halevi) und zeigt, wie sich dieser -- ein Rechtsstudent und orthodoxer Jude -- in den Monaten vor der Tat mehr und mehr radikalisierte. So bekommt man mit, welche politischen und religiösen Diskussionen die israelische Gesellschaft umtrieben, nachdem Rabin den Oslo-Friedensprozess in die Wege geleitet hatte. «Incitement» (zu Deutsch: Aufwiegelung) ist durchaus provokativ und hebt zum Beispiel die Rolle des heutigen Premierministers Benjamin Netanyahu hervor, der damals als Likud-Chef gegen Rabin mobilmachte. (ggs)

Do 21 Uhr; So 20.50 Uhr; Di 18.20 Uhr im Houdini Sa 20.30 Uhr im Arthouse Uto, anschl. Gespräch mit Hauptdarsteller

Schritt für Schritt

Dokumentarfilm von Peter Scheiner, CH 2020; 72 min.

Der Schweizer Regisseur Peter Scheiner stammt ursprünglich aus einer slowakischen Kleinstadt an der Grenze zu Ungarn. Dieses Komárno besuchte er von 1999--2019 regelmässig und drehte dort in der jüdischen Gemeinde. Gegen 2800 Mitglieder zählte diese vor dem Zweiten Weltkrieg, heute sind es noch um die 50. Über zwei Jahrzehnte entstanden, sind die Videoaufnahmen ein anschauliches Beispiel dafür, wie Menschen mit den Folgen des Holocaust umgehen. So sieht man, wie endlich Gelder gesprochen werden, um das heruntergekommene Gemeindehaus zu renovieren. Aber noch immer halten Politiker viele Ausflüchte parat, wenn es ums Gedenken geht, und der zunehmende Antisemitismus bereitet vielen Gemeindemitgliedern Sorgen. (ggs)

So 11.50 Uhr, anschl. Gespräch mit Regisseur; Di 16.30 Uhr Houdini

Shalom Allah

Dokumentarfilm von David Vogel, CH 2019; 99 min.

Was bringt Menschen dazu zum Islam zu konvertieren? Dieser Frage geht der jüdische Filmemacher David Vogel nach. Er begleitet die italienischstämmige Familie Lo Manto, die junge IT-Studentin Aïcha, deren bürgerlicher Name Nicole ist, sowie den Nachtwächter Johan, der schon bald seine muslimische Freundin in Manchester heiraten wird.

Die Protagonisten haben die unterschiedlichsten Beweggründe Muslime zu werden – doch was sie verbindet ist eine Suche nach Gott und Geborgenheit. Regisseur Vogel gibt in diesem Dokumentarfilm auch Einblicke in seine jüdisch geprägte Kindheit und hinterfragt seine eigene Religion. (lrh)

So 15.3., 13.40 Uhr, Arthouse Uto, anschl. Gespräch mit Regisseur Mo 16.3., 12.10 Uhr, Houdini Mi 18.3., 18.40 Uhr, Houdini

Shut Up and Play the Piano

Dokumentarfilm von Philipp Jedicke, D 2018; 82 min.

Barpianist Chilly Gonzales bittet seine Fans als Erstes, ihn nicht nur zu lieben, sondern auch zu hassen. Das lässt schmunzeln, auch wenn er es mit einem Augenzwinkern sagt. So wiederholt er auch ständig, er sei ein musikalisches Genie. Aber stimmt schon: Der Mann ist ein begnadeter Entertainer. Unnachahmlich, wie er im Bademantel auf dem Klavier rumhämmert oder bei Pressekonferenzen auftritt, als sei er ein durchgeknallter Hamlet.

Philipp Jedicke zeichnet Chilly Gonzales’ Weg vom lauten Punk-Rap-Perfomer zum immer noch ziemlich lauten Kammer-Künstler nach. Man schaut gern zu, wie Gonzales seinen inneren Erik Satie sucht. Da ist alles drin: der inszenierte Grössenwahnsinn, der Schweiss und ein bisschen sogar das Scheitern. (bsc)

Sa 14.3., 19 Uhr, So 15.3., 21 Uhr, Di 17.3., 21 Uhr, Mi 18.3., 18.20 Uhr, Houdini

Yesh!

Do 12.3. – Do 19.3. Diverse Ortewww.yesh.ch

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