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War es bloss schlechter Sex?

Nach einer Vergewaltigung versucht das Opfer, die Tat zu verdrängen und ihr Leben wie gehabt weiter zu führen. Doch das gelingt ihr nicht, wie der Film «Alles ist gut» zeigt.

Janne (Aenne Schwarz) will am liebsten einfach vergessen.
Janne (Aenne Schwarz) will am liebsten einfach vergessen.

Zwei junge Menschen sind betrunken, sich sympathisch. Landen bei ihr zu Hause. Martin (Hans Löw) will mehr, Janne (eindrücklich: Burg-Schauspielerin Aenne Schwarz) macht halbherzig mit bis zu dem Moment, wo sie eben nicht mehr will. Minuten später liegt sie dennoch auf dem ­Rücken und er auf ihr. Schweigend verlässt er ­danach das Haus.

Das ist die Ausgangslage, aus der Regisseurin Eva Trobisch einen Plot konstruiert, bei dem nichts eindeutig ist. Sehr bewusst nicht, sagt uns die 34-Jährige am Telefon: «Janne gehört zu den Kindern der Femi­nistinnen der ersten Stunde. Sie ist komplett selbstbestimmt, die Opferrolle kennt sie nicht.» Archaisch einem Mann zum Opfer zu fallen, das erschüttere ihr Selbstbild. «Also beschliesst Janne, den Vorfall einfach unter eineinhalb Minuten schlechten Sex abzubuchen. Nicht als Vergewaltigung», erklärt die Regisseurin.

Janne versucht weiterzumachen, als wäre nichts passiert. «Alles ist gut», redet sie sich ein. So lange, bis nichts mehr gut ist. Ihre Ohnmacht wächst. Ihrem Freund Piet (Andreas Döhler) entzieht sie sich zusehends, und im neuen Job taucht plötzlich Martin als Mitarbeiter wieder auf. Das Perfide: So wird dieser menschlich, denn bei Trobisch ist niemand nur Täter oder Opfer. Martin entschuldigt sich bei Janne, ist sich seines Fehlers bewusst. Sie demonstriert moralische Überlegenheit, sagt: «Kannst mir ja mal eine Tafel Schokolade geben.»

«Für mich gehört die Komponente des Leiblichen einfach dazu.»

Eva Trobisch

«Ich wollte keinen Vergewaltigungsfilm machen», sagt Trobisch über ihre Abschlussarbeit an der Münchner Filmhochschule. «Sondern die Frage der Selbstbestimmung in einer extremen ­Situation ausloten. Mich interessiert: Kommt man unbeschädigt aus so einer Situation raus?»

Die Darstellung des Missbrauchs, die sich beim Publikum sofort als Schlüsselszene einbrennt, hat Trobisch erst in einer zweiten Drehbuchfassung ergänzt. Ihr Mentor, Regisseur Ulrich Köhler, habe sie noch davor gewarnt, dass der Film so als Themenfilm schubladisiert werden könnte. «Aber für mich gehört die Komponente des Leiblichen einfach dazu.»

Ulrich Köhler gehört wie seine Frau Maren Ade dem Umfeld der Produktionsfirma Komplizen Film («Toni Erdmann») an. Und diese feine Zuneigung für die Figuren merkt man auch Eva Trobischs Debüt an, das in Locarno als bestes Erstlingswerk ausgezeichnet wurde. Der Film wirkt nach, auch wenn Janne eine Wendung zu viel mitmachen muss.

Riffraff Langstrasse / Neugasse 13.30 Uhr, 19 Uhr, 21 Uhrwww.riffraff.ch

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