Was diese Woche im Kino läuft

Die Eiskönigin bekommt ein Sequel und Scarlett Johansson und Adam Driver spielen ein Paar in der Scheidung. Die neuen Filme.

Mutter (Scarlett Johansson), Tochter und Vater (Adam Driver): Familientragik im Film «Marriage Story».

Mutter (Scarlett Johansson), Tochter und Vater (Adam Driver): Familientragik im Film «Marriage Story».

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Marriage Story

Drama von Noah Baumbach, USA 2019; 136 min.

Der Theaterregisseur Charlie (Adam Driver) und die Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson) haben ein Kind und proben zusammen ein neues Stück. Jeder hat aber seine eigenen Erwartungen ans Leben, sodass aus Vertrautheit bald Scheidungsgründe werden und ein böser Trennungskampf zwischen New York und Los Angeles einsetzt. War sicher nicht zu vermeiden, dass Regisseur Noah Baumbach («Frances Ha») aus Brooklyn irgendwann ein «Kramer vs. Kramer» für die Millennial-Generation dreht. Der Ton ist tragikomisch, die Szenen sind irrsinnig gut geschrieben und gespielt, aber die ganze Cleverness wirkt bald einmal aufdringlich – auch wenn man sagen muss: Tränen garantiert. (blu)

Capitol, Frosch Studio, Kosmos

Wenn das Theaterstück Realität wird: Charlie (Adam Driver) und Nicole (Scarlett Johansson) verpatzen die Hauptprobe. Video: YouTube/Netflix

But Beautiful

Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer, D/A 2019; 116 min.

Nach einer Reihe globalisierungskritischer Filme («We Feed the World», «Alphabet») befasst sich Erwin Wagenhofer mit den positiven Dingen in unserer Welt. Er zeigt etwa eine Familie, die nachhaltige Permakultur betreibt, einen Aktivisten, der Frauen zu Solaringenieurinnen ausbildet, oder ein Jazz-Trio, das nicht nach Erfolg strebt.

Der Film setzt mehr auf Stimmungseindrücke und die improvisierte Form des Jazz statt auf Erklärungen, um die Message rüberzubringen: «Nichts existiert unabhängig voneinander.» Auf die Dauer wirkt das Unterfangen etwas ermüdend. Doch wer sich auf die Grundstimmung und den anthroposophischen Touch einlässt, wird auch mit bereichernden Momenten belohnt. (dpo)

Arthouse Movie, Kosmos

Funktioniert auch ohne explizit zu werden: Der Film «But Beautiful» von Erwin Wagenhofer. Video: YouTube/DCM

Doctor Sleep

Horror von Mike Flanagan, USA 2019; 152 min.

Dreissig Jahre nach den Geschehnissen im Overlook Hotel: Der kleine Dan Torrance ist zum alkoholkranken Herumtreiber (Ewan McGregor) herangewachsen; seine übersinnlichen Fähigkeiten unterdrückt er, so gut es geht. Dann aber findet er in einer Kleinstadt ein richtiges Zuhause und geht dort zu einer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker. Derweil treiben Ungeheuer in Menschenform ihr Unwesen, die Leuten wie Dan die Seele aussaugen.

Als Fortsetzung zu «The Shining» kann man «Doctor Sleep» nicht wirklich ernst nehmen – Mike Flanigan ist halt doch kein Stanley Kubrick. Trotzdem ist der Kampf zwischen Menschen und Monstern sehr unterhaltsam, und Ewan McGregor hilft über manche Albernheit hinweg. (ggs)

Abaton, Arena, Kosmos, Metropol Die Welt ist gefährlich: Alle sind Hungrigt. Video: YouTube/WarnerBrosSwitzerland

Fahim

Tragikomödie von Pierre-François Martin-Laval, F 2019; 107 min.

Der junge Fahim (Ahmed Assad) und sein Vater (Mizanur Rahaman) müssen aus Bangladesh fliehen und landen in Paris. Dort darf der hochbegabte Fahim einen Schachkurs bei Sylvain (Gérard Depardieu) besuchen. Während der Vater sich um politisches Asyl bemüht, versucht der Sohn, Schachchampion zu werden.

Die Geschichte basiert auf dem Buch «Spiel um dein Leben, Fahim» über das Leben des Schach-Protégé Fahim Mohammad. Depardieu verkörpert darin einmal mehr einen brummeligen Bären mit goldenem Herzen. Die Geschichte verläuft nach bekannten Mustern und schiesst auf den moralischen wunden Punkt Westeuropas mit Fragen wie «Ist Frankreich noch das Land der Menschenrechte?». (msw)

Arena, Arthouse Movie

Asyl oder Schachchampion: Für den begabten Jungen Fahim (Ahmed Assad) ist beides ungewiss. Video: Vimeo/Florence Adam - JMH

Frozen II

Animation von Jennifer Lee und Chris Buck, USA 2019; 103 min.

Elsa hört eine seltsame Stimme, die nach ihr ruft. Zusammen mit ihrer Schwester und ihren Freunden reist sie in den hohen Norden, um dem auf den Grund zu gehen. Dort stösst die Gruppe auf einen magischen Wald.

Elsa und Anna sind wieder da, und vielleicht wichtiger und sicher witziger: Olaf, der Schneemann, und Sven, das Rentier. Alte Bekannte seit dem ersten Teil des Disney-Märchens, das vor sechs Jahren zum erfolgreichsten Animationsfilm überhaupt wurde. Die Technik ist wieder beeindruckend, die Botschaft der starken Schwestern überdeutlich. Was diesmal leider fehlt, ist ein gutes Drehbuch: Die Geschichte ist so komplex, dass man kein Kind sein muss, um den Überblick zu verlieren. Was bleibt, sind Ohrwürmer. (SZ)

Abaton, Arena, Capitol, Corso, Metropol

Die Fortsetzung des Disney-Erfolgsfilmes: Liefert Frozen II auch einen neuen Ohrwurm? Video: YouTube/ Disney Schweiz

Richard Says Goodbye

Tragikomödie von Wayne Roberts, USA 2018; 90 min.

Der Collegelehrer Richard (Johnny Depp) erhält die Diagnose Krebs. Grund genug, endlich auszukosten, was an unorthodoxem Betragen möglich ist – Drogen, Sex, Vorlesungen in der Bar. Ungleich schwerer fällt Richard die Versöhnung mit seiner untreuen Ehefrau und der lesbischen Tochter.

«Carpe diem!» So hiess die Losung im Filmklassiker «Dead Poets Society» (1989). Davon versucht sich auch Regisseur Wayne Roberts eine Scheibe abzuschneiden, doch Lebenslust findet in «Richard Says Goodbye» vor allem als permanenter Absturz statt. Man mag gewisse Parallelen zum Leben von Johnny Depp erkennen, aber eine tödliche Krankheit ist eben nicht dasselbe wie ein konservatives Schulleitbild, gegen das man vor dreissig Jahren anrennen konnte. (zas)

Arthouse Piccadilly

Wenn der Lehrer kein Vorbild mehr ist: Johnny Debb gibt den abstürzenden Richard. Video: YouTube/Praesens - Film

La terre est plate

Drama von Matteo Carrega Bertolini, CH 2019; 76 Minuten.

Nach der Uni dümpelt Jean (Nicolas Foussard) in Paris vor sich hin, bis er in einer Bar den Musiker Antoine (Federico Uguccioni) kennen lernt. Eine kurze, aber intensive Freundschaft beginnt. Jahre später steckt Jean tief im bürgerlichen Leben und macht sich auf die Suche nach dem draufgängerischen Freund von damals.

Dieser Film erzählt von gegensätzlichen Männern: Das Grossmaul Antoine bleibt als Saxofonist erfolglos, der stille Jean hingegen wird in einer Agentur vom Praktikanten schnell zum Projektleiter. Glücklich werden beide nicht. Der junge Schweizer Regisseur will mit viel Stilwillen und in teils eindrücklichen Schwarzweissbildern eine Bromance ergründen. Leider bleibt dabei im Ungefähren, was die beiden Männer überhaupt aneinander finden. (pos)

Stüssihof

Freundschaft muss keiner verstehen: Antoine und sein Kumpel Jean. Video: YouTube/Aardvark Film Emporium

A White, White Day

Drama von Hlynur Pa?lmason, Isl/DK/S 2019; 109 min.

Ingimundur (Ingvar Sigurdsson) war früher Polizist, heute lebt er in einem abgeschiedenen Haus in Island. Seine Frau ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, aber Ingimundur lässt ein Verdacht nicht los: Hatte sie eine Affäre? Keine Frage, der Isländer Hylnur Pa?lmason («Winter Brothers») beherrscht das atmosphärische Erzählen in Bildern, er setzt Metaphern und wiederholt Motive, und weil er auf 35-mm gedreht hat, sieht das alles irrsinnig schön aus. Sein Drama ist auch ein Essay über Verlust und Trauer, geprägt von knorrigem Trotz und Humor – ganz einfach die hohe Kunst. (blu)

Riffraff Die Bilder haben eine eigene Sprache: A White, White Day von Hlynur Pa?lmason. Video: Vimeo/xenixfilm

Erstellt: 20.11.2019, 16:41 Uhr

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