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Wenn eine Pflanze zum Politikum wird

Dieses Jahr steht am Videoex ein Zürcher im Fokus, der sich mit postkolonialen Konflikten in Südafrika beschäftigt.

Sie wartet vergeblich auf eine Antwort der Pharmaindustrie: eine Südafrikanerin in «Mafavuke's Tribunal».
Sie wartet vergeblich auf eine Antwort der Pharmaindustrie: eine Südafrikanerin in «Mafavuke's Tribunal».

Was soll an einer Pflanze politisch sein? Sehr viel natürlich, das zeigt die Reihe «Theatrum Botanicum» des 1973 in Zürich geborenen Künstlers Uriel Orlow im Schweizer Fokus des Vid­eoex. Die Doku-Kurzfilme waren 2018 Teil einer Ausstellung in der Kunsthalle St. Gallen und beschreiben eine Form botanischer Aneignung.

«Mafavuke’s Tribunal» etwa spielt in einem Naturpark in Johannesburg, wo Heiler und Aktivisten darüber diskutieren, dass Pharmafirmen – wie auch ein gewisses Schweizer Nahrungsmittelunternehmen – damit begonnen haben, in Südafrika heimische Pflanzen zu Arzneien oder Ergänzungsstoffen zu verarbeiten.

Die Pharmaindustrie gegen die Einheimischen: «Mafavuke’s Tribunal». Video: Vimeo/Uriel Orlow

Da wird doch aber das geistige Eigentum von denjenigen entwendet, die traditionelle Medizin betreiben? Zumindest entschädigt werden müssten diese indigenen Heiler, von denen es in Südafrika etwa 200 000 gibt. Aber das geht so lange nicht, wie das Patentrecht einseitig auf Profit ausgelegt ist und das Brauchtum dabei nicht vorkommt – so ungefähr argumentiert die Gruppe, während sie auf ein Volkstribunal zum Thema wartet, das nie stattfindet.

Der Milo Rau der Pflanzenheilkunde

Uriel Orlow, der auch an der ZHDK unterrichtet, ist folglich so etwas wie der Milo Rau der Pflanzen­heilkunde. Anders als bei Rau treten bei ihm aber Schauspieler auf, die betont künstlich agieren, was die Sache umso faszinierender macht. Die Videoarbeiten von «Theatrum Botanicum» beruhen auf Orlows Recherchen vor Ort. Sie zeigen die Pflanze als Biomacht: Ihre Beherrschung durch traditionelle Heiler stellte eine Gefahr dar für europäische Kolonialherren.

Zugleich konnten Blumen, weil sie als neutral galten, zur Zeit der Apartheid ungehindert exportiert werden – und taugten während der Jubiläumsfeier eines botanischen Gartens in Kapstadt 1963 sogar zum naturwüchsigen Wirkstoff für die nationale Selbstvergewisserung.

Weitere Highlights des Videoex

Special Jonas Mekas

Alltagsfilmer und Avantgarde-Ikone Jonas Mekas verstarb im Januar dieses Jahres; die Videox zeigt zwei Werke, in denen unter anderem Salvador Dali und Allen Ginsberg auftauchen.

Sa 1.6., 19.30 Uhr, Z3

Fokus Apichatpong Weerasethakul

Beim thailändischen Regisseur und seinen betörenen Filmen gehören Geister und Einbildung wie selbstverständlich zum Leben dazu.

Diverse Vorstellungen

Gastprogramm Brazil

Eine Sonderreihe zu einem Land, das gerade repressive Zeiten erlebt, unter anderem mit «A idade da terra» (1980) von Glauber Rocha.

«A idade da terra»: Sa 25.5., 23 Uhr, Z3

Videoex Sa 25.5.– So 2.6. Walcheturm / Z3 Kasernenareal Uriel Orlow, Block I: So 26.5., 17.45 Uhr, Z3; Regisseur anwesend Podium mit Uriel Orlow: So 26.5., 19 Uhr, Walcheturm Uriel Orlow, Block II: Do 30.5., 21.15 Uhr, Z3; Regisseur anwesendwww.videoex.ch

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