Wie der Meister

Vier chinesische Van-Gogh-Kopisten spüren in Europa ihrem Vorbild nach.

Fast echt: So entstehen Van Goghs in China.

Fast echt: So entstehen Van Goghs in China.

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Wer möchte eine in Öl gemalte Kopie von Van Goghs «Sonnenblumen»? Offenbar viele: Allein die Familie des Chinesen Xiaoyong Zhao hat bereits über 100'000 Kopien von Van-Gogh-Werken verkauft. Sie lebt im Stadtteil Dafen der südchinesischen Stadt Shenzhen – zusammen mit gut 10'000 anderen Kopisten, die jährlich 65 Millionen Dollar umsetzen. Sie arbeiten nach Reproduktionen in Büchern oder auf Postkarten. Doch einmal im Leben möchte Xiaoyong Zhao schon einen echten Van Gogh sehen.

Der Film der Chinesen Yu Haibo und Kiki Tianqi Yu beginnt etwas repetitiv, aber schliesslich geht es hier ja auch um die Fliessbandarbeit von Menschen, die in den Ateliers essen und schlafen und monatlich trotzdem nur 1150 Euro verdienen. Doch als zwei Malerinnen und zwei Maler nach Europa reisen können, wird «China’s Van Goghs» spannend: Hin- und hergerissen ist Xiaoyong Zhao, als er in einem Souvenirshop vor dem Amsterdamer Van-Gogh-Museum auf seine Kopien stösst: «Da sind meine Bilder!», sagt er stolz – um dann feststellen zu müssen, dass hier für 500 Euro verkauft wird, wofür er 65 Euro erhalten hat. Als die Chinesen schliesslich durch die Strassen und Plätze von Arles streifen, die sie nur von Van Goghs Gemälden kennen, rufen sie ebenso begeistert wie verwundert: «So sieht das aus!»

Aber eben: Van Gogh habe sich selbst ausgedrückt in seinen Gemälden, sie jedoch seien nichts als Mal­arbeiter, sinniert Xiaoyong Zhao nach der Rückkehr. Noch nie habe er etwas Eigenes gemalt. Und dann schreitet er zur Tat. «China’s Van Goghs» ist nur einer von acht neuen Dokumentarfilmen, die bis Ende März im Filmpodium gezeigt werden. Und ganz bestimmt ist er nicht der einzige Augenöffner.

Donnerstag und Sonntag, Filmpodium. (Zueritipp)

Erstellt: 21.02.2018, 15:29 Uhr

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