Wie Nackte Geld einbringen

Um ein Museum zu finanzieren, betreibt ein Lehrer illegale Wettgeschäfte – und schickt nackte Leute auf Fussballfelder.

Wie lange hält sich der Nackedei auf dem Fussballplatz? Es darf gewettet werden.

Wie lange hält sich der Nackedei auf dem Fussballplatz? Es darf gewettet werden.

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Anderthalb Stunden lang rennen die Männer hin und her, und trotzdem steht es am Ende 0:0 – Fussball kann schon eine arg langweilige Sportart sein. Da hat der Deutschlehrer Balz Näf (Beat Schlatter) genau den richtigen Einfall: Er will eine Liga von Flitzern gründen. Das heisst, er würde Nackedeis aufs Spielfeld schicken und liesse dann Wetten darauf abschliessen, wie lange sich diese halten können, bevor sie das Sicherheitspersonal einfängt. Davon erzählt er seinem albanischen Coiffeur (Bendrit Bajra), der illegale Sportwetten organisiert. «Dini Idee isch geischtig behindert», meint dieser zunächst. Doch der Erfolg der Flitzer-Liga ist schliesslich derart durchschlagend, dass der Schweizer Fussballverband sogar ein Sonderkommando einsetzen muss, um dem ausufernden Treiben der Flitzer Einhalt zu gebieten.

Regisseur Peter Luisi und Komiker Beat Schlatter hatten schon einmal miteinander zu tun; Schlatter spielte eine Nebenrolle in Luisis «Der Sandmann». Da ging es um einen Mann (Fabian Krüger), der eines Tages anfängt, Sand zu verlieren. Im Vergleich zu jener surrealen, subtilen Komödie kommt «Flitzer» ganz schön grobschlächtig daher. Aber es gibt einige hübsche Momente bissiger Satire. So nimmt die ganze Geschichte ihren Anfang, weil Balz gerne mithilfe seiner Schule ein Gottfried-Keller-Museum eröffnen möchte – doch als er das Geld dafür mühevoll zusammenbekommen hat, investieren seine Kollegen dieses kurzer­hand in einen Fifa-verifizierten Kunstrasen. Die Schweizer sind halt ein Volk von Tölpeln – man muss an Kellers «Leute von Seldwyla» denken.

Bei dem Versuch, mittels einer Sportwette noch einmal Geld für das Museum hinzuzuverdienen, verliert Balz alles – und kommt deswegen auf die Idee mit den Flitzern. So richtig kompliziert wird es, als er sich in die Polizistin (Doro Müggler) verliebt, die das erwähnte Sonderkommando leitet. Kann er beides gleichzeitig haben? Das Museum und die Frau?

Zum Ende hin verlässt Luisi und Schlatter dann leider der Mut: Ihre Satire verliert jeglichen Biss und endet mit einem zuckrigen, verlogenen Happy End. In einer Szene erscheint dem Lehrer mal Gottfried Keller im Traum und klagt ihn an – schade, hat der Schriftsteller nicht auch den Filmemachern ins Gewissen geredet.

Läuft in diversen Kinos

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.10.2017, 14:28 Uhr

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