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«Wir sollten stolz auf Zwingli sein»

Der Regisseur des Zwingli-Films Stefan Haupt erklärt, was ihn am Reformator reizte – und wieso er keinen «Braveheart» drehen wollte.

Wusste was er tut: Zwingli (Max Simonischek) mit selbstsicherem Blick.
Wusste was er tut: Zwingli (Max Simonischek) mit selbstsicherem Blick.

Ihr Hit «Der Kreis» handelte von zwei Zürcher Schwulenikonen. Jetzt sind Sie bei der Ikone der Reformation gelandet. Wie gelingt so ein Spagat?

Ich hatte immer Freude, von Thema zu Thema zu springen. Das war schon nach meinem Dokumentarfilm über die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross so, die in der Sterbeforschung auch ein bisschen eine Ikone war. Danach kamen haufenweise Anfragen, ob ich nicht einen Film zum Thema Nahtoderfahrungen machen möchte. Ich habe alle abgelehnt.

Wieso waren Sie auf Zwingli neugierig?

Ich bin in einer Freikirche aufgewachsen, der methodistischen. Die Landeskirche erschien mir da immer als die freiere Kirche. In der Schule hatte ich eine Freundin, meine Eltern sagten: «Aber du weisst, du wirst sie nie heiraten können, sie ist katholisch.» Und vor den italienischen Gastarbeitern hatte man auch deshalb Angst, weil die so viele Kinder hatten, und man fürchtete, Zürich bekäme wieder eine katholische Mehrheit. Themen wie Religion, Kirche, Gesellschaft waren also immer schon präsent.

Zwingli ist eine Figur von internationaler Grössenordnung, auf die wir viel stolzer sein könnten.

Stefan Haupt

Wenn man mit einem urschweizerischen Stoff wie «Zwingli» kommt, öffnen sich da alle Fördertöpfe?

(lacht) In der Jury der Zürcher Filmkommission sitzen von fünf Leuten drei Deutsche.

Soll heissen, bei der kantonalen Film­förderung war «Zwingli» kein Selbstläufer

Nein. Und national gesehen, gibt es ja zum Teil auch eine Ablehnung gegen Zürich, den selbstbewussten Finanzplatz mit den fleissigen, arbeitsamen Reformierten. Mich hat überrascht, dass Zwingli als Zürcher Thema wahrgenommen wird; er hatte Einfluss auf die ganze Schweiz, ist eine Figur von internationaler Grössenordnung, auf die wir viel stolzer sein könnten. Es war knochenhart, den Film auszufinanzieren.

Mit fünfeinhalb Millionen Franken ist es eine der teuersten Schweizer Produktionen.

Aber das ist ja noch kein Qualitätsmerkmal. Den Aufwand hats einfach gebraucht. Unsere Kostümbildnerin etwa wollte die Leute wirklich so anziehen wie früher, mit vier, fünf Lagen an Kleidern. Aus Madrid, wo der beste Kostümfundus Europas ist, bestellten wir Lastwagenladungen. Auch aus Prag und Rom kamen 40-Tönner mit Ausstattungs­gut. Das war nötig, um das Zürich des 16. Jahrhunderts aufleben zu lassen.

Ohne den Zweiten Kappelerkrieg allerdings. War dafür nicht genug Geld?

Ich wollte keine Schlacht zeigen, keinen «Braveheart» aus «Zwingli» machen. Genauso wenig, wie es ein Schulfilm werden sollte oder ein christlicher Überzeugungsfilm. Mir ging es um Emotionen.

Sie durften das Grossmünster auf den Kopf stellen. Weshalb hat man Ihnen das durchgehen lassen?

Wir waren zuerst beim Hochbauamt, dann bei der Kirchgemeinde, anschliessend beim Kanton, bei der Stadt, der Musikkommission, der Denkmalpflege … Eine hochkomplexe Geschichte. Aber es ist eine Riesen­freude, dass es uns gelungen ist, das Grossmünster wie eine katholische Kirche aussehen zu lassen.

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